Als Bundesfreiwilligendienstler in der Samtgemeinde Fintel

Für die Gemeinschaft

Im Einsatz an den Bildungseinrichtungen der Samtgemeinde Fintel: Elisa Hillenhaben (von links), Thalea Boldt, Annika Eben, Svea Brinkmann, Michael Worthmann, Jordis Trau, Johannes Kohnen, Ronja Contzen und Nele Dittmer.
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Fintel. Die Aussetzung des Zivildienstes im Jahr 2011 hat viele soziale Einrichtungen getroffen. Durch die nun fehlenden Mitarbeiter entstanden Lücken in der Personaldecke die so schnell nicht besetzt werden konnten. Auch der zeitgleich geschaffene Bundesfreiwilligendienst konnte auf Anhieb nicht überzeugen. Jedoch wurde hier in den vergangenen Jahren einiges nachgebessert um Anreize für die jungen Leute zu schaffen.

Auch die Samtgemeinde Fintel bietet seit 2012 Plätze für die Bundesfreiwilligendienstleistenden, die sogenannten „Bufdis“ an. Wie Kim Holsten, Koordinatorin des Bundesfreiwilligendienstes in der Samtgemeinde mitteilte, hat die Gemeinde mit einem „Bufdi“ an der Grundschule bereits 2012 begonnen. Über die Jahre sind nach und nach weitere Plätze angeboten worden. Dieses Jahr sind es 14 Plätze an unterschiedlichen Einrichtungen der Gemeinde, von denen aber nicht alle besetzt werden konnten. Je nach Größe der Einrichtung können ein oder zwei junge Menschen dort ihren Dienst leisten.

Von dieser Art der Zusammenarbeit profitieren allerdings nicht nur die jeweiligen Einrichtungen, auch die jungen Leute bekommen sehr viele sogenannte Soft Skills vermittelt, die Ihnen im weiteren Verlauf ihrer Karriere- und Lebensplanung von Vorteil sein werden. „Dieses Modell ist nun schon im siebten Jahr und auch ein Erfolgsmodell geworden, „ so Holsten „Es hilft der Gemeinde sehr, dass die Freiwilligendienstler in den Schulen und in den Kindergärten eingesetzt werden können, aber auch den Bufdis in der Findungsphase nach der Schule bei der Entscheidungsfindung wie es da weitergehen kann.“ Holsten sieht sich selbst zwar auch als Ansprechpartnerin für die Bufdis im Gemeindegebiet, allerdings nur bei Situationen die über das pädagogischen und den täglichen Ablauf hinausgehen. Für diese Belange wären die Mitarbeiter in den einzelnen Einrichtungen zuständig. Der Dienst in den Einrichtungen beginnt meistens im August mit dem neuen Kindergarten- beziehungsweise Schuljahr und dauert zwölf Monate. In diesem Jahr jedoch haben einige Bufdis erst im September und Oktober ihren Dienst angetreten, deren Dienstzeitende verlängert sich entsprechend. Ein Teil des Dienstes sind 25 Seminartage, von denen eine Woche mit einem Seminar zu politischer Bildung zu belegen sind, die restlichen Wochen können nach eigenem Ermessen belegt werden, wobei die Gemeinde die Option anbietet, einen Übungsleiterschein zu erlangen mit dem dann später eine Tätigkeit zum Beispiel als Vereinstrainer ermöglicht wird. Die Zeit im Bundesfreiwilligendienst ist auch aus studientechnischer Sicht nicht verloren, sondern kann sowohl als Vorpraktikum als auch zur Senkung des NC angerechnet werden, wie Elisa Hillenhaben mitteilte, die gerade ihr Jahr als Bufdi an der Friedrich-Freudenthal-Schule Fintel absolviert: „Ich habe mich unter anderem auch dafür entschieden, weil der Bufdi mir angerechnet wird. Für mein Studium bringt mir das Punkte ein, sodass ich bessere Chancen habe an bestimmten Unis angenommen zu werden.“ Und auch wenn das Jahr als Bufdi bei Ausbildungen zum Beispiel zum Sozialassistenten bislang noch nicht angerechnet wird, so hilft der Eintrag im Lebenslauf doch sehr bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Trotzdem wäre hier die Politik gefordert, das Möglichste zu tun, um diese im Sinne der Gemeinschaft geleistete Arbeit auch entsprechend anzuerkennen. „Das mag sich jedes Jahr ändern“, gibt Holsten die Hoffnung auf eine entsprechende Gesetzesänderung nicht auf. Zudem erklärt sie einen weiteren Vorteil des Dienstes, denn jeder der nach der elften Klasse das Gymnasium verlässt und dann statt eines zwölften Schuljahres ein Jahr als Bufdi absolviert, hat somit automatisch die Fachhochschulreife erlangt. Was die finanzielle Ausbeute der Bufdis angeht, so ist hier Schmalhans Küchenchef. Gezahlt wird lediglich ein Taschengeld, das sich irgendwo zwischen 300 und 350 Euro bewegt. Zusätzlich können je nach persönlicher Situation staatliche Hilfen wie Wohngeld, Kindergeld oder auch ALG II bezogen werden. Für die Gemeinde Fintel, so stellte Holsten fest, sei das nicht so relevant, da die Bufdis hier allesamt noch zuhause wohnten. Aufgrund der derzeitigen Einstufung des Dienstes werden die Fahrtkosten für den Weg vom Wohnort zur Dienststelle nicht übernommen, eine Tatsache die vor allem Ronja Contzen aus Scheeßel ärgerte. Die 17jährige ist in der Kindertagesstätte Zwergenhöhle in Stemmen eingesetzt und muss täglich von Westerholz aus Pendeln. Da ihr Antrag auf Fahrtkostenerstattung von der zuständigen Behörde abschlägig beschieden wurde, fährt sie nun die 28 Kilometer hin und zurück jeden Tag. Bei jedem Wetter. Zum Glück sei der Weg nicht allzu hügelig, so Contzen, aber der Wind mache ihr schon manchmal zu schaffen. „Das ist dann furchtbar“, Contzen lächelt leicht gequält. Gerade die Wintermonate hatten es da in sich. Trotzdem hält sie durch, denn wie die meisten anderen ihrer Kollegen in Fintel, Lauenbrück und umzu sieht sie auch die Vorteile des Dienstes. Gerade in punkto Verantwortung, aber auch für das eigene Selbstbewusstsein habe der Dienst sie weitergebracht. Man lerne eine Menge über sich selbst und auch, dass man in der Lage ist selbst in so komplizierten Berufsfeldern wie Schule oder Erziehung im Allgemeinen bereits selbständige Projekte zu entwickeln und durchzuführen. „Ich konnte sogar schon mal einen Buchstaben und das Subtrahieren einführen“, erklärt Elisa Hillenhaben sichtlich stolz. Der Dienst als Bufdi habe ihren Studienentschluss nur noch bekräftigt. Die 18jährige möchte nach dem Ende ihrer Zeit in Fintel Lehramt studieren. „Ich möchte später auch an einer Grundschule unterrichten, das ist mir jetzt klar geworden“, so Hillenhaben. Neben der Aushilfe im Unterricht habe sie bereits in viele Bereiche des Schulalltags Einblick erhalten – von der Nachmittagsbetreuung bis hin zur Verwaltung habe ihr das Kollegium stets neue, verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Auch die schuleigene Homepage darf sie betreuen und mitgestalten. Alle waren sich aber einig, dass sie in den Teams ihrer jeweiligen Einrichtungen hervorragend aufgenommen wurden und ihren Dienst als vollwertige Mitglieder des Teams leisten. „Ich bin vom ersten Tag an in alle Aufgaben mit eingebunden worden und hatte nicht das Gefühl nicht Teil des Teams zu sein“, sagte Nele Dittmer, die ihren Dienst derzeit in der Kindertagesstätte Alte Post absolviert. „Nachdem ich zunächst nur für den Bereich Hauswirtschaft eingeteilt war arbeite ich jetzt in allen Sektionen des Kindergartens mit.“ Auch Svea Brinkmann und Thalea Boldt können von ihrer Arbeit Ähnliches berichten: „Wir haben vom ersten Tag an gespürt, dass die Kollegen uns vertrauen und sehen, dass wir genau wie sie unserer Arbeit gut machen.“ Ihre Position irgendwo im Mittelfeld zwischen den Kindern und den Erwachsenen sehen die jungen Menschen als Vorteil für alle Seiten. Nicht nur, dass sie den regulären Mitarbeitern Arbeit abnehmen, sie sind darüber hinaus auch oft erste Ansprechpartner für die Kinder, deren Vertrauen sie sich häufig rasch erworben haben. Einen besonderen Farbtupfer bilden immer noch männliche Erzieher, wie Michael Worthmann und Johannes Kohnen berichten. „Die Kinder wissen genau, dass sie mit uns anders spielen können. Am Anfang war da noch eine gewisse Scheu vor dem fremden Mann, aber das hat sich schnell gelegt. Mit uns ist eben ein etwas robusteres Spiel möglich als mit einigen der älteren Kolleginnen“, so Worthmann. Die Grenzwanderung zwischen Autoritätsperson und Mitspieler ist für alle schwierig. Gerade Annika Eben fühlt sich von dem Umstand betroffen. Die Fintelerin leistet ihren Dienst an der Fintauschule und hat dort mit Jugendlichen zu tun, die nur wenige Jahre jünger sind als sie. „Am Anfang war es schon schwer, vor allem hier wo man auch noch privat die Eine oder den Anderen kennt. Aber irgendwann merkt man dann schon, ich gehöre nicht zu euch, ich bin jetzt auf der anderen Seite.“, so Eben. Man müssen sich dann halt überlegen, ob es wirklich ratsam ist gemeinsam in den Mai zu tanzen oder nicht. Letztlich würde aber alle den BFD weiterempfehlen, da sie dadurch in relativ sicheren Umfeld eine Menge für weiteres Leben lernen konnten, selbst wenn die Ausbildung in eine ganz andere Rintung geht als der Dienst, wie zum Beispiel bei Thalea Boldt. Die 16jährige wird nach dem Ende ihrer Zeit an der Grundschule eine Ausbildung zur Hörgeräteakkustikerin beginnen. Weil sie so überzeugt von dem Angebot des Freiwilligendienstes sind haben einige der Finteler Bufdis unter Holstens Führung sich dazu entschlossen einen Werbeflyer für den Dienst zu erstellen und zu Informationsveranstaltungen an verschiedene Schulen der Umgebung zu fahren um dort über ihre Arbeit zu berichten. Denn die Gemeinde hat auch dieses Jahr wieder mehr freie Plätze für den BFD als eigehende Bewerbungen. Interessierte Schulen können sich gerne an Kim Holsten im Samtgemeindebüro wenden.

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