Exxon-Mobil sieht sich für Krebsraten nicht verantwortlich - Von Nina Baucke

Am Pranger

Ritva Westendorf-Lahouse und Harald Kassner sehen das Unternehmen Exxon-Mobil zu Unrecht an den Pranger gestellt. Foto: Nina Baucke
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Bellen. Drei schwarze Säulen aus Strohballen stehen vor dem Exxon-Gelände in Bellen. „Krebs! Warum?“ steht dort, „Aufklärung sofort“ und „Wir haben Angst“: Als das Epidemiolgische Krebsregister Niedersachsen (EKN) Ende 2014 erste Zahlen darüber vorlegte, erst für die Region Bothel, dann für die Stadt Rotenburg, nach denen dort zwei Krebsarten statistisch übermäßig oft vorkommen, war für viele mit Exxon-Mobil der Schuldige schnell gefunden. Doch der US-Konzern sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Dabei stützt sich das Unternehmen auf die Berichte des EKN. „Die leiten uns zu der tiefen Überzeugung, dass wir nicht für irgendwelche statistische Auffälligkeiten verantwortlich sind“, betont Ritva Westendorf-Lahouse, Pressesprecherin des Unternehmens.

Konkret dreht es sich um das Multiple Myolom, eine Krebserkrankung des Knochenmarks, und das Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes, die statistischen Auffälligkeiten betreffen Männer zwischen 60 und 74 Jahre sowie Kinder unter 14 Jahren. Genauere Umstände versucht das Gesundheitsamt des Landkreises derzeit mithilfe von Fragebögen auszuleuchten. Für Harald Kassner, Chemiker bei Exxon, steht allerdings eines fest: „Diese zwei Krebsarten sind hier signifikant auffällig. Aber wir haben auch dort hingeschaut, wo wir nicht als Unternehmen aktiv sind, nach Thüringen, Berlin, Emden. Und dort gab es auch Auffälligkeiten.“ Im Gegensatz zu den eigenen Mitarbeitern, bei ihnen habe es keine vermehrten Erkrankungen gegeben. „Auch nicht bei denen, die schon seit Jahrzehnten für uns tätig sind. Und teilweise leben sie sogar hier in der Gegend“, so Kassner.

Weder das Erdgas, noch Lagerstättenwasser oder eingesetzte Fracking-Flüssigkeiten enthielten Stoffe, die die erhöhte Rate der beiden Krebsraten erklären würden: „Der einzige krebserregende Stoff bei der Erdgasförderung ist Benzol“, so Kassner. „Und das greift die Leber an. Doch beim Multiplen Myolom ist die Milz betroffen. Für diese Krebsrat sind die Risikofaktoren ganz andere: Land- und Forstwirtschaft, Lacke, Farben, Pestizide, Herbizide oder auch Immunschwäche.“ Auch das Non-Hodgkin-Lymphom werde nicht von Benzol erzeugt. Ebenso sei Quecksilber immer wieder in der Debatte. „Aber wir können ausschließen, dass Quecksilber, sofern es bei uns anfällt, krebserzeugend ist“, so Westendorf-Lahouse. Auch die Radioaktivität, die beim Förderprozess anfällt, stellt laut Exxon keine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner dar. „Was bei uns mit dem Lagerstättenwasser hoch kommt, ist die natürliche Radioaktivität. Das ist so gering, dass sie das von der Radioaktivität her mit Leitungs- oder Trinkwasser vergleichen können“, sagt Kassner. „Das sind 15   Becquerel pro Liter, Tafelwässer haben bis zu 44. Daher würde ich das jetzt nicht als Risiko sehen.“

Dennoch geht an ihr die permamente Kritik nicht spurlos vorbei. „Wo wir uns alle völlig einig sind, ist, dass wir den Dingen auf den Grund gehen müssen. Es gibt keinen Menschen, der nicht versteht, dass derjenige, der an Krebs erkrankt ist, auch Antworten haben will“, betont Westendorf-Lahouse. „Und das die Angehörigen Antworten haben wollen. Alle Aufrufe, die da kommen, auch von den mir nicht näher bekannten Ärzten: Diese Petitionen würde ich auch unterschreiben.“

Exxon wolle seinen Beitrag zur Aufklärung leisten, sagt Westendorf-Lahouse. „Und das tun wir, indem wir Daten zur Verfügung stellen. Wir können keine eigene Studie in Auftrag geben, die würde uns ja sowieso um die Ohren gehauen werden. Das können wir uns sparen.“

Stattdessen will das Unternehmen weiterhin aufklären. „Wir merken, dass da bei den Bürgern jede Menge Wissenshunger ist. Wir verstecken uns nicht hinter dem Zaun, man kann unsere Anlage besichtigen. Wir stehen dazu, sind dialogbereit, wollen aber auch deutlich machen, dass wir hier nicht etwas machen, was nur zu unserem eigenen Vorteil dienen soll und alle anderen haben nur Nachteile davon haben.“

Für die Pressesprecherin ist es daher derzeit ein „schmerzhaftes Tal“, durch das das Unternehmen jetzt durchmüsse. „Wir gehen nunmal ein Stück durch einen Kulturwandel.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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