Expertenteam beantwortet Leserfragen zur Corona-Impfung

„Mutationen sind natürlich“

Viele Menschen warten gespannt auf die Impfung, doch auch die Unsicherheit ist oft noch groß, wie die Telefonaktion der Rundschau mit der BZgA zeigt.
 ©Rotenburger Rundschau

Landkreis Rotenburg (r/db). Die Telefone klingelten fast pausenlos, und das zeigt: Das Interesse an wissenschaftlich fundierten Fakten und an einer Beratung zur Corona-Schutzimpfung durch ein Expertenteam der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) war groß. Die Rundschau hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Neigen Corona-Viren ganz besonders zu Mutationen?

Die Mutation von Viren ist ein natürlicher Vorgang. Doch wenn ein Virus mutiert, heißt dies nicht automatisch, dass die genetische Veränderung die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflusst.

Lässt sich der Impfstoff an die Mutation anpassen, falls er nicht mehr so gut wirkt?

Impfstoffe bieten gegen Viruserkrankungen beispielsweise gegen Masern oder Röteln auch noch Jahrzehnte nach ihrer Entwicklung einen wirksamen und lang anhaltenden Schutz vor den Erregern. Bei anderen Erkrankungen wie der Grippe hingegen ändern sich die Virusstämme oft und in einem solchen Ausmaß, dass die Zusammensetzung der Impfstoffe jährlich aktualisiert werden muss. Sowohl die neuen Impfstoffe gegen Covid-19 mit Boten-RNA als auch Vektor-Impfstoffe können schnell an Mutationen angepasst werden. Der Einfluss der aufgetretenen Virusvarianten auf den Impfschutz wird in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht.

Muss ich mich impfen lassen, obwohl ich an Herzschwäche leide?

Niemand ist zu der Impfung verpflichtet. Aber zur Impfung wird geraten, da es sich beim Coronavirus um ein neuartiges, ansteckendes Virus handelt, das die teils lebensgefährlich verlaufende Krankheit COVID-19 verursacht. Das Risiko für einen ernsten Krankheitsverlauf steigt mit zunehmendem Alter und bei bestimmten Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Herzschwäche.

Wie funktionieren die neuen Impfstoffe?

Die Impfstoffe enthalten lediglich Teile der Erbinformation des Virus – in Form von sogenannter Boten-RNA. Nach der Impfung nehmen einige wenige menschliche Körperzellen die Boten-RNA auf. Sie dienen als Vorlage, um die Virusproteine selbst zu produzieren. Wichtig ist: Es wird nur ein Bestandteil des Virus gebildet. Ein komplettes, vermehrungsfähiges Virus kann nicht entstehen. Die neu gebildeten, ungefährlichen Virusproteine aktivieren das Immunsystem. Falls eine geimpfte Person später in Kontakt mit dem Corona-Virus kommt, erkennt das Immunsystem den Krankheitserreger und bekämpft ihn.

Warum muss ich in ein Impfzentrum fahren, obwohl mein Hausarzt viel besser erreichbar ist?

Zurzeit ist es noch so, dass nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Dieser muss zum Teil bei unter minus 70 Grad Celsius gelagert werden und ist nur in Mehrdosenbehältnissen verfügbar, die nach dem Öffnen nicht lange gelagert werden können. Somit erfolgen die Impfungen derzeit im Wesentlichen in Impfzentren oder durch mobile Teams, beispielsweise in Alten- oder Pflegeheimen. Wenn ausreichend Impfstoff da ist und ein großer Teil davon unter Standardbedingungen gelagert werden kann, soll auch in Arztpraxen geimpft werden.

Kam es bisher nach den Corona-Impfungen gehäuft zu schwerwiegenden Nebenwirkungen?

Nein, wie bei anderen Impfungen können aber Impfreaktionen auftreten. Impfreaktionen sind eigentlich ein gutes Zeichen dafür, dass der Körper den Impfstoff aufnimmt und Antikörper entwickelt. Impfreaktionen können beispielsweise sein: Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Glieder- und Gelenkschmerzen oder Übelkeit.

Muss die Maske denn unbedingt noch sein, wenn ich geimpft bin?

Ja, die Mund-Nasen-Bedeckung und alle anderen Schutzmaßnahmen wie Abstand, Hygiene, und Lüftung sind nach wie vor nötig. Denn der Geimpfte selbst ist zwar – je nach Impfstoff – ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfung sehr gut geschützt, aber er kann möglicherweise noch Überträger des Coronavirus sein.

Warum gibt es in Deutschland so wenig Impfstoff?

Überall auf der Welt ist der Impfstoff knapp, so auch in Deutschland. Grund dafür ist nicht die Gesamtbestellmenge, sondern die hohe Nachfrage und die begrenzten Produktionskapazitäten. Die Herausforderung liegt vor allem in der Herstellung der Impfstoffe, die Zeit benötigt. Gemeinsam mit den Herstellern, zum Beispiel mit Biontech/Pfizer, bemüht sich die Regierung jedoch, die Produktionskapazitäten deutlich auszuweiten. Ein zusätzliches Werk in Marburg von Biontech/Pfizer soll nach den derzeitigen Planungen noch im Februar mit der Produktion beginnen.

Soll man sich eine zweite Impfung abholen, wenn man sich nach der ersten vielleicht mit Corona angesteckt hat?

Tritt nach der ersten Impfstoffdosis eine labordiagnostisch gesicherte (positiver PCR-Test) Infektion auf, sollte die zweite Impfung erst etwa sechs Monate nach Genesung beziehungsweise nach Diagnosestellung erfolgen.

Kann bei der zweiten Impfung ein anderer Impfstoff genutzt werden?

Nein, eine begonnene Impfserie muss mit demselben Impfstoff abgeschlossen werden.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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