Ein Besuch im Steinfelder Dorfmuseum - Von Elke Keppler-Rosenau

Ut ole Tieden

Altes Steinfeld Foto: Elke Keppler-Rosenau
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Steinfeld. Heinz Wellbrock ist Sammler aus Leidenschaft. Seine Passion erstreckt sich aber nicht auf Briefmarken oder Postkarten, nein sie richtet sich an Exponate, die das dörfliche Leben in alten Zeiten dokumentieren. Wer das geräumige Dachgeschoss des Steinfelder „Dörps Huus“, das einst die Dorfschule war, betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Thematisch geordnet hat Wellbrock dort Gebrauchsgegenstände vom alten Webstuhl über Röhrenradios bis hin zu kompletten Wohneinrichtungen zusammengetragen.

Dem Besucher fällt sofort ein merkwürdiges Teil ins Auge, das wie ein hochklappbares Fenster eines alten Treckers aussieht. Es handelt sich dabei um die verglaste Cockpithaube eines holländischen Starfighters F104. Dieses Kampfflugzeug stürzte im März 1979 auf die Wiese von Heinrich Dittmer zwischen Steinfeld und Hemel. Ein Triebwerk war ausgefallen, als ein Bussard bei Oyten mit dem Flugzeug kollidierte. Der Vogel überlebte den Zusammenprall nicht, der Pilot Willem Glaser schaffte es noch, die Maschine über Steinfeld hinweg aufs freie Feld zu steuern und rettete sich dann per Fallschirm. Er wurde kaum verletzt geborgen, sein Flugzeug später aus dem weichen Boden gezogen. Waldarbeiter fanden die gut erhaltene Cockpitkuppel und übergaben sie Wellbrock vor ein paar Jahren für seine Sammlung dörflicher Geschichte. Sie stellt das jüngste Exponat dar, und ein Blick auf die eher primitive Technik verwundert.

Älter, viel älter sind Werkzeuge von Höfen und Handwerk, darunter auch ein paar kuriose Stücke, deren Nutzen für Laien kaum erkennbar wäre, wenn Heinz Wellbrock sie nicht mit erklärenden Kärtchen, auf denen auch der Name des Leihgebers verzeichnet ist, versehen hätte.

Alte Schreibmaschinen, mit einer Tastatur, die mit der eines modernen PCs nicht zu vergleichen ist, stehen akkurat aufgereiht. Was auf ihnen einst getippt wurde, bleibt verborgen.

Ein seltsames Gebilde aus Ton erklärt Wellbrock als „Füerkieker“ ein Gefäß, das mit Kohlenglut gefüllt wurde und Kutschern und Passagieren auf dem Pferdewagen als Fußwärmer diente. Solche Dinge wurden vor langer Zeit in der Badenstedter Ziegelei, die es heute nicht mehr gib, von Hand gefertigt. „Man nahm diese Fußwärmer sogar beim Kirchgang mit in die eiskalten, ungeheizten Kirchen“, weiß Wellbrock zu berichten.

Werkzeuge zum Torfstechen waren in Steinfeld früher unverzichtbare Utensilien, denn Torf als Heizmaterial gehörte in jedes Haus und auf jeden Hof. Utensilien für die Herstellung von Holzschuhen, Schuhmachermaterialien und Dachdeckergeschirr, die das damals übliche Reet verwendeten, sind neben Spinnrädern und Gerätschaften zur Flachsgewinnung aufgereiht.

Im nächsten Raum kann man nachvollziehen, wie Butter, aber auch Sirup hergestellt wurde. Die Pressen sind alle wunderbar erhalten und so gut in Schuss, dass sie auch nachfolgenden Generationen noch von der Arbeitsweise ihrer Altvorderen erzählen können.

Ein weiterer Raum ist dem örtlichen Handwerk gewidmet. Eine transportable Feldschmiede, die durchaus heute noch einsatzfähig wäre, zeigt, wie kleine Reparaturen unterwegs ausgeführt werden konnten. Eine merkwürdig geschmiedete Forke, ähnlich wie der Dreizack Neptuns entpuppt sich als Fischforke, ein Gerät, das Fischer verwendeten, als Seen und Flüsse noch so viel Fisch hergaben, dass der nur so herausgeschaufelt werden konnte.

Unter einer Esse steht eine komplette Schmiede, die vornehmlich beim Hufbeschlag von Pferden eingesetzt wurde. Bei dessen Betrachtung sollten Besucher einen Blick an die Decke dieses Raumes werfen. Dort präsentiert sich eine Wandverkleidung, die in traditioneller Lehmbauweise von Wellbrock vor einiger Zeit nach überliefertem Vorbild neu errichtet wurde, und einen Blick darauf ermöglicht, wie Häuser in und um Steinfeld vor 150 Jahren erbaut wurden.

Eine komplette Kücheneinrichtung bietet das Museum mit Emaille-Herd samt Reling, Backofenfach und Klappen zur Befeuerung. „Bei nasskaltem Wetter steckten die Leute auch gerne mal die Füße in den warmen Backofen um sich aufzuwärmen“ sagt Wellbrock und schmunzelt. Bratpfannen, Töpfe, gusseiserne Gerätschaften und ein aufgedeckter Tisch muten schlicht und einfach an. Für dörfliche Verhältnisse im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sind sie eine Art Standardware. Eine Schnippelmaschine für Bohnen, direkt an der Tischplatte montiert, ist ein Vorläufer der heute so beliebten „Kitchen Aid“.

Interessant geht es weiter im Klassenzimmer, das mit alten Bänken, die allerdings nicht aus der ursprünglichen Steinfelder Dorfschule stammen, möglichst authentisch eingerichtet wurde. Verrostete Halterungen für Tintenfässer, alte Schulbücher und Fotos von damaligen Lehrern, die mehr oder weniger beliebt waren, machen diesen Raum komplett.

Ein Schlafzimmer mit originalen Möbeln aus der vorherigen Jahrhundertwende, inklusive gut gefülltem Wäscheschrank, gibt einen Hinweis, wie akkurat Hausfrauen seinerzeit ihren Haushalt führten. An den Regalbrettern des Schrankes befindet sich bestickte Borte mit dem fein säuberlich gearbeitetem Text „ Im Herzen ernstes Sinnen, im Schranke weißes Linnen, und alles wohl verwahrt, ist deutscher Hausfrau Art“.

Unter dem Bett steht ein Nachttopf, und dieses Kuriosum wird durch einen weißen Eimer in Emaille mit Deckel erweitert.

Eine handgefertigte Kinderwiege, in der wohl Generationen von Kindern in den Schlaf geschaukelt wurden, steht neben dem Ehebett. Dieses schmale Möbelstück ist durchaus für zwei Personen gedacht, hält aber dem Vergleich mit heutigen Boxspringbetten nicht stand. Das eine oder andere Kleidungsstück hängt sorgfältig geordnet an einer Garderobenleiste und gibt veranschaulicht, wie die Mode vor 100 Jahren war.

Ein Wohnzimmer gibt es auch. Neben dem Sofa aus der Gründerzeit, Tisch und Stühlen gibt es dort eine Puppenstube, wie man sie prächtiger noch nicht gesehen hat. Zweistöckig, mit Zimmern, die wie in einer Villa eingerichtet sind, ist dieses Spielzeug durchaus auch heute noch eine Versuchung für Kinder. Solide in bester Schnitzarbeit ausgeführt, sind es vor allem die Details, die den Betrachter verblüffen.

Die Idee zu diesem beeindruckenden Museum hatte Wellbrock im Jahre 2000. Mit Unterstützung des Programms der Dorferneuerung konnte aus der ehemaligen Rumpelkammer des Dorfgemeinschaftshauses eine wahre Schatzkammer gemacht werden. Großzügige Leihgaben, viele davon aus Privatbesitz und von Wellbrock selbst haben dort einen Platz gefunden, an dem sie sicher vor dem Sperrmüll verwahrt werden.

Besichtigungen sind nach Absprache möglich. Spannend sind nicht nur die Exponate, sondern auch die Geschichten und Zusammenhänge, die Wellbrock kennt und von denen er gerne ausführlich erzählt.

Immer wieder gibt es Neuzugänge. Alles wird von Wellbrock sorgsam aufgearbeitet und der Sammlung thematisch zugeordnet. Interessierte können bei Wellbrock, der, fast 80-jährig, als versierter Museumsführer agiert, unter Telefon 04288/704 nachfragen.

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