Die Weymouthskiefer ist seit 300 Jahren in Europa heimisch

Nadelbaum zum Streicheln

Die Weymouthskiefer ist längst in der Region heimisch geworden. Foto: Joachim Looks
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Sittensen. Hundebesitzer sind gehalten, ihren Vierbeinern regelmäßig Bewegung zu verschaffen. Sportliche Zweibeiner werden mit dem die Sofaecke bevorzugenden Hund nicht glücklich, während der lauffreudige Schlittenhund gar nicht genug Bewegung bekommen kann, es bei einem die Bequemlichkeit begrüßenden Menschen ausgesprochen öde findet und Unsinn macht. Unsere Vierbeiner genossen alle einmal am Tag eine solide Hundewanderung. Der Rest des Tages durfte danach aus Hundesicht deutlich ruhiger ausfallen, vor allem bei ungemütlichem Wetter.

Da es langweilig wurde, immer ein und dieselbe Runde zu drehen, sammelten sich im Laufe von Jahrzehnten diverse Routen an, die wir abwechselnd nutzten. Eine davon verläuft durch das Spanger Holz. Der Wald liegt gleich hinter der Kreisgrenze zum Landkreis Verden an der B 215 und war uns nach dem Einzug in unser neues Zuhause Ende der 70er Jahre aufgefallen. Das lag an dem damals vom Heimatbund Rotenburg herausgegebenen Wanderbuch, das beim Spanger Holz darauf verwies, dass in diesem Wald mal Weymouthskiefern gepflanzt worden waren.

Die Weymouthskiefer (Pinus strobus), auch Strobe genannt, ist kein einheimischer Baum. 1705 brachte Lord Weymouth ihn aus Nordamerika nach England. 1750 erreichte er auch Deutschland, wo er seit ungefähr 1880 als Forstbaum genutzt wurde – gewissermaßen als Zugewanderter.

Was faszinierte an ihm? In entsprechender Literatur wird der Baum als ein von Kopf bis Fuß malerischer Hingucker beschrieben, der mit breit ausladendem Wuchs, langen und vor allem streichelweichen Nadeln zum dekorativen Blickfang jeder Parkanlage wurde. Dies erklärt, warum der nordamerikanische Nadelbaum nicht nur in öffentlichem oder entsprechend großem, privaten Grün Eingang fand, aber nicht, weshalb seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Weymouthskiefern forstliche Beachtung fanden.

In Nordamerika wurden vorhandene Weymouthskiefer-Bestände durch die sich zunehmend verstärkende Besiedelung des Kontinents bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv genutzt, teilweise sogar übernutzt, was der über Selbstaussaat vermehrungsfreudige Baum aber gut ausglich. Das Holz der Weymouthskiefer erwies sich nach entsprechender Imprägnierung als dauerhaft und wurde in der Phase der Besiedelung im großen Stil zur Errichtung von Farmen, Fabriken, Städten im sich immer weiter nach Westen vorschiebenden Siedlungsgebiet verwendet.

Das Holz der Weymouthskiefer lässt sich leicht im Außen- und Innenbau einsetzen, weil es sich wenig verwirft und leicht trocknet – ideal für den Bauboom der amerikanischen Siedlungszeit. Diese Eigenschaften machten den Nadelbaum auch für Europa interessant. Sein Anbau schien leicht, da er in Amerika wegen geringer Nährstoffansprüche selbst extreme Standorte wie Sand-, Schotter- oder Moorböden besiedelt, frost- und spätfrostunempfindlich sowie wenig gefährdet durch nassen Schnee ist. So entwickelte sich der Baum hinter Douglasie und Japanlärche nach 1900 zu einem beliebten, zugewanderten Forstbaum, dessen Bedeutung aber durch die rasante Ausbreitung des Stroben-Blasenrostes sank, weil jener Schädling in fast jeden Bestand eindrang und es bis heute keine wirkungsvolle Bekämpfungsmethode gibt.

Trotzdem neugierig auf die zugewanderte „Streichelnadel“-Kiefer geworden? Im Burgsittensener Wald wurde forstlich mit Weymouthskiefern gearbeitet. Sie vermehrten sich im Laufe der Zeit über ihren Bereich hinaus und finden sich heute an vielen Stellen. Wer von Sittensen aus über Ostlandstraße, Ostetal und Waldstraße zum Klostergut Burgsittensen fährt, kann sein Fahrzeug an dem Parkplatz bei der Zufahrt zum Klostergut abstellen und einem nicht befestigten Weg in Richtung Stemmen folgen. Der für Radfahrer nutzbare Weg führt zunächst an einer Ackerfläche zur Rechten und dem Burgsittensener Wald zur Linken nach Südosten, schwenkt im weiteren Verlauf nach Süden und tritt nach ungefähr 700 Metern in den nun beidseitigen Wald ein. Er ist als Wanderweg ausgeschildert und trifft nach einem weiteren Kilometer auf eine idyllische Schutzhütte, an der scharf rechts dem gekennzeichneten Weg gefolgt wird. Ungefähr 300 Meter nach der Hütte knickt der Wanderweg leicht nach links ab und erreicht bald darauf ein kleines Wiesenbachtal. In diesem Bereich haben sich rechts des Weges zahlreiche junge Weymouthskiefern aus dem Altbestand des Burgsittenser Waldes angesiedelt.

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