Christine Wilkens veröffentlicht mit „Heidschnucke Willi“ ihr erstes Bilderbuch für Kinder - Von Nina Baucke

Tausche Prada gegen Paarhufer

Christine Wilkens an ihrem Arbeitsplatz: Auf einmal hüpft Willi auf das Blatt Papier.
 ©Nina Baucke

Neuenkirchen. Auf einmal ist er da: Er springt aus der Feder ihres Fineliners auf das Papier und lässt sich nicht mehr abschütteln. Vorhang auf für den naseweisen Heidschnuckenbock, Held in Wilkens Erstlingswerk „Heidschnucke Willi auf Safari“, einem Bilderbuch für Kinder. „Ich habe mir eine Herde Heidschnucken angesehen, hatte dann ein Blatt Papier vor mir, und da war er einfach“, erinnert sich die Autorin an den Moment, als Willi das erste Mal bei ihr aufkreuzt.

Jetzt tobt er sich zwischen zwei Buchdeckeln auf insgesamt 16 Doppelseiten aus. Willi ist neugierig. Immer, wenn es ihn kitzelt, muss er etwas erleben. Es ist also die Abenteuerlust, die den jungen Bock fort von seiner Herde und – „schnuck-die-wupp“ – in ein fremdes Auto springen lässt. An dessen Zielort angekommen erwarten ihn fremde Gestalten: ein nicht gerade vertrauenserweckender Löwe, ein Zebra und Elefanten. Irgendwann packt Willi aber doch das Heimweh, und er macht sich auf den Rückweg zu seiner Herde. Bleibt nur abzuwarten, dass es ihn bald wieder kitzelt.

Wie Willi kitzelt es irgendwann auch Wilkens überall. Sie geht nach Italien, studiert in Mailand Modedesign und lebt später in Pompei. Und dort ergeht es ihr anfangs wie dem jungen Heidschnuckenbock: Sie ist eine Fremde, spricht die Sprache noch nicht. Erst entwirft sie Mode, dann arbeitet sie als Einkäuferin für Luxusmarken. Dabei lernt sie die andere Seite der Modewelt kennen: „Für Kreativität ist da nicht viel Platz, es geht nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen.“ Für Wilkens verliert das Leben in Italien irgendwann seinen Reiz, 2013 kehrt sie nach Deutschland zurück, zurück nach Neuenkirchen. Fürs Erste packt sie nach zehn Jahren in Italien der große Kulturschock. Und eine Frage taucht auf: „Was mache ich jetzt hier in der Heide?“ Die Antwort: Schreiben. Die 34-Jährige hat die Idee für einem Buch, ein Kinderbuch soll es werden. Sie fährt zur Frankfurter Buchmesse und sieht sich an den Ständen der Verlage um. Ein Gros der Kinderbücher dreht sich um Tiere, die Helden sind oft Bären oder Ponys.

Wilkens denkt an ihre Heimat und stellt fest: Es gibt keine Geschichten, in denen Heidschnucken eine Rolle spielen – also wird sie die erste sein, die ein solches Tier zum Helden ihrer Geschichte macht. Der Name kommt dann fast von allein: „Willi, das klingt so weich und wuschelig,“ findet Wilkens. Das Buch wird für sie zu einem Ventil für ihre Kreativität. Ein gutes Jahr arbeitet sie an der Geschichte, an den Bildern. Steht immer wieder an ihrem Arbeitstisch am Ende des Wohnungsflurs – „der hellste Platz hier“, wie sie erklärt. Nie kontinuierlich, „manchmal muss ich einen Schritt erst einmal sacken lassen, bevor ich den nächsten mache“, erklärt sie.

Die Neuenkirchenerin erzählt die Geschichte aus Willis Perspektive. Und so ist der Affe, der sich an dem Fell des jungen Heidschnuckenbocks zu schaffen macht, für ihn zunächst nichts anderes, als ein merkwürdig zotteliger Schäfer, das Nashorn ein grauer, rissiger, atmender Berg und die Elefanten große, faltige Gießkannen. Dabei kombiniert sie ihre mit detaillierten Fineliner-Zeichnungen dargestellten Protagonisten mit Aquarellhintergründen, die die Landschaft lediglich andeuten und erahnen lassen – „Traumszenen“, sagt die Künstlerin. Wie lässt sich beispielsweise die Heide am besten darstellen? „Mit dem Fineliner wirkt das zu hart“, erkennt Wilkens. Jetzt bilden verschwommene Farbfelder aus grün und lila die Heidelandschaft ab. Überhaupt zieht sich die Farbe Lila wie ein roter Faden durch das gesamte

Buch. „Die Bilder sind alle sehr unterschiedlich“, erklärt Wilkens die abwechslungsreiche Farbgebung und Gestaltung. Das spiegelt sich auch im bunten Schriftbild wieder. „Das steht mit für die Bewegung, in der sich Willi permanent befindet.“

Als Zielgruppe hat sie mit ihrem Erstlingswerk drei- bis sechsjährige Kinder im Blick. „Die finden sich in Willis Situation, in der vieles neu, fremd und aufregend ist, wieder“, ist sie überzeugt. „Die Kleinen wollen alles sehen, sie haben viele Fragen.“ Die Kernbotschaft, die ihre Geschichte ausmacht, ist erneut etwas, das sie selbst erfahren hat: Es ist schön, die Welt zu entdecken – aber die Wurzeln liegen bei der Familie.

Einen Verlag hat sie nicht, die Neuenkirchenerin wagt den Gang auf den Buchmarkt auf eigene Faust. „So bleibt das zu 100 Prozent mein Willi, und das fühlt sich richtig an.“ Und das auch noch komplett regional, die passende Druckerei fand sie in einem Soltauer Traditionsbetrieb. 2.000 Exemplare umfasst nun die erste Auflage. „Willi gehört hier in die Heide, zumal die ganzen Touristen sich doch sowieso sich gerne die Schafställe ansehen – wegen der Heidschnucken“, ist sie überzeugt und hofft, dass das Buch zu einem Souvenir aus der Region wird. „Und natürlich, dass viele Kinder Willis Geschichte lesen und sich darin auch wiederfinden.“

Der 34-Jährigen kommen viele Ideen im Traum, darunter auch erste Gedanken zu weiteren Geschichten – sie hat Geschmack am Erzählen gefunden. „Ein Jugendroman liegt in meiner Schublade, und dann sind da noch die Raben“, erklärt sie. Die Handlung um eine Vogelfamilie besteht bislang lediglich aus Bildern. Zentrale Figur ist ein kleiner, unangepasster Rabe mit grüner Punkfrisur: „Er ist der Rebell der Familie.“ Doch der kleine Vogel bleibt noch in der zweiten Reihe, „denn jetzt ist erst einmal Willi vorne“, sagt Wilkens. „Der ist jetzt meine Arbeit, an der mein Herz hängt.“ Der Heidschnuckenbock läuft neben ihr durch ihre Wohnung, folgt ihr hier hin und dort hin. „Und weil er so lebendig ist, fällt es leicht, ihn zu zeichnen“, findet die Neuenkirchenerin.

Sie träumt schon von einer Fortsetzung von Willi. „Er wird weiter reifen“, sagt sie über den Bock. „Und vielleicht bekommt er dann Gesellschaft von einem Heidschnuckenmädchen.“ Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es Willi wieder überall kitzelt – „schnuck-di-wupp“.

Nicht alles, was Erwachsene für Kinder schreiben, kommt bei den Kleinen gut an. Die Rundschau hat das Buch „Heidschnucke Willi“ deshalb Testleserin Klara (7) gegeben, die das Buch für uns gelesen und bewertet hat. Ihr Urteil: „Mir hat das Buch viel Spaß gemacht. Das Abenteuer von Willi war sehr spannend. Außerdem haben mir die Bilder gut gefallen.“ Die Zweitklässlerin empfiehlt das Buch deshalb weiter und würde gerne bald mehr von Willi lesen.

Christine Wilkens Erstlingswerk „Heidschnucke Willi auf Safari“ gibt es für 12,95 Euro in den Buchhandlungen Ohlhoff (jeweils in Visselhövede und Neuenkirchen), in den Rotenburger Buchhandlungen Buch & Aktuelles und Müller, in der Scheeßeler Buchhandlung Wandel sowie im Café Wilkens in Neuenkirchen. Außerdem gibt es im Internet unter einen Online-Shop.

Bei der Rotenburger Rundschau gibt es drei Exemplare zu gewinnen: Kinder, die wie Willi neugierig geworden sind, können bis Mittwoch, 16. Dezember, 17 Uhr ein selbstgemaltes Bild ihres Lieblingstieres mit Name, Alter, Adresse und Telefonnummer auf der Rückseite in der Geschäftsstelle der Rundschau abgeben. Eine Jury wählt dann die drei schönsten Beiträge aus. Die Gewinner werden dann benachrichtigt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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