Theater Metronom probt für neues Kinderstück „Däumelin“ - Von Nina Baucke

Roadmovie im Krötenlicht

Andreas Goehrt und Karin Schroeder proben für die Premiere von "Däumelin" am 22. April im Theater Metronom. Foto: Nina Baucke
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Hütthof. „Krötenlicht an!“, ruft Karin Schroeder. Regieassistentin Tomke Heeren schiebt einen Regler am Mischpult hoch – und einen Augenblick später ist die Bühne im Theater Metronom in Hütthof in grünes Licht getaucht. Auf der Spielfläche liegt ein überdimensionierter Stuhl auf der Seite, hinter ihm steht Schroeder nun und mimt mit gierigem Blick eine Kröte, während Andreas Goehrt in seiner Rolle als Krötenlakai die Titelfigur als Hauptgang auftischt – Däumelin.

Zum ersten Mal seit „Kaschtanka“ vor vier Jahren haben sich Karin Schroeder und Andreas Goehrt wieder an ein Stück für Kinder gemacht, das am Sonntag, 22. April, Premiere hat: „Däumelin – Von einem, das auszog, das Leben zu lernen“, ein Märchen für Kinder ab vier Jahren und Erwachsene. Als Grundlage dient die Erzählung „Däumelinchen“ des dänischen Autors Hans Christian Andersen, die Idee dazu, dieses Märchen auf die Bühne zu bringen, kommt von Goehrt. „Inhaltlich ist es ein spannendes Thema, dieser Gegensatz Klein und Groß ist nah an der Lebenswelt der Kinder“, erklärt er. „Und dann ist da die Faszination für die Natur im Kleinen und der Reiz, eben solche Welten zu entdecken.“ In der Andersenschen Vorlage geht es um ein kleines Mädchen, nicht größer als ein Daumen, dass von seinen Eltern „Däumelinchen“ genannt wird. Eines Nachts entführt eine Kröte Däumelinchen, und damit beginnt für sie eine Reise mit zahlreichen Abenteuern.

Dass die Figur in der Hütthofer Fassung „Däumelin“ heißt, hat einen Grund: „Wir wollten den Charakter geschlechtsneutral haben“, erklärt Goehrt. „In der Vorlage soll Däumelinchen ständig verkuppelt werden – das haben wir rausgefiltert.“ Stattdessen erzählt das Metronom-Ensemble die Geschichte als eine Art Abenteuer-Roadmovie. „Bei Andersen ist Däumelinchen passiv, wird von der einen in die nächste Situation getrieben. Däumelin dagegen ist aktiv dabei, es rutscht zwar machmal in Ereignisse hinein, aber es sucht auch das Abenteuer“, sagt Goehrt. Die anderen Charaktere begegnen Däumelin in einer Art Fabelsituation: Die Kröte steht für die Gefahr, der Maikäfer ist ein Rocker- und Kumpeltyp für den kleinen Wanderer, ein farbenfroher Schmetterling entpuppt sich als schöngeistiger Ästeht der Geschichte und die Maus vertritt eher konservative Ansichten. „Es geht darum, in diesen Situationen das Leben kennenzulernen“, so Goehrt. Das schließt auch den ein oder anderen härteren Moment mit ein: „Das ist die Natur: Schmetterlinge werden gefressen, ein Maikäfer stirbt nach einem Sommer“, sagt Schroeder. Regie führt Leon Wierer, der Kontakt zu dem 26-Jährigen kam über das Freiburger Cargo-Theater zustande, das im vergangenen Herbst im Metronom ein Gastspiel gegeben hatte. „Wir als alte Hasen fanden es sehr spannend, mit einem jungen Regisseur zusammen zu arbeiten“, sagt Schroeder. Das sieht auch Wierer so: „Durch den Altersunterschied ergibt sich eine Mischung auf der Bühne, in der sich vieles sehr gut ergänzt.“ Der große Stuhl ist das eine, aber weitere überdimensionierte Kulissen? „Wir wollten nun nicht mit großen Pappmaché-Pilzen arbeiten“, erklärt Goehrt mit einem Lachen. Regisseur Wierer war es, der auf die Idee mit einem Panorama kam, das den Grundgedanken des Stücks – das Große im Kleinen – wiederspiegelt: Wiesenkulissen in DIN-A4-Größe, ein kleines Wasserbecken mit einer schwimmenden Nussschale für Däumelin werden live abgefilmt und als Kulisse groß auf eine Leinwand projiziert. Die Kostüme für „Däumelin“ kreiert Kostümbildnerin Sophia Lund. „Ich habe mir zur Vorbereitung Bilder von Landschaften angesehen, aber später hat sich sehr viel während der Proben entwickelt.“ Oft sind es einfach verschiedene Schals, mit deren Hilfe sich Goehrt und Schroeder in Schmetterling, Maikäfer oder Kröten verwandeln. „Das lässt viel Fantasieraum offen“, sagt Lund. Dazu integriert sie Alltagsgegenstände, wie beispielsweise große, grüne Gummihandschuhe für die Kröten. Schauplatz ist die Natur, und so begleiten zahlreiche Geräusche die Szenen – die immer wieder zu Musik werden. Dafür, dass aus dem Gluggern des Wassers Melodien werden, sorgt Jan Fritsch: „Das Grundthema für die Musik ist ein Volkslied – ,Es saß ein klein wild Vögelein‘. Das zieht sich durch das ganze Stück.“ Eine besondere Rolle spielt die Musik bei Actionszenen, unter anderem bei einer Verfolgungsjagd durch die Gänge eines Feldmausbaus. „Aber vor allem geht es um die Lust an der Natur“, sagt Schroeder. „Und darum, dass auch das Kleine mal ganz groß sein kann.“ Die Premiere am 22. April beginnt um 17 Uhr, eine weitere Aufführung ist am Montag, 23. April, um 10 Uhr. Karten gibt es für sieben Euro und in Gruppen ab zehn Personen für fünf Euro telefonisch unter 04262/1399

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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