Radwegprojekt bekommt einen Namen - Von Nina Baucke

Freie Fahrt für Fidi

Dirk Eberle (von links), Stephan Lohmann von der Stadt Rotenburg, Jessica Gottschalk, Andreas Weber, Rolf Lüdemann, Bürgermeister der Gemeinde Brockel, und Marion Kruppach-Frey testen den künftigen Weg auf dem Bahndamm schon einmal aus u2013 den "Fidi-Boon-Wech". Foto: Nina Baucke
 ©Rotenburger Rundschau


Hemsbünde. Insekten zirpen im hohen Gras auf dem alten Bahndamm, ein Laut, der allerdings immer wieder von Fahrzeuggeräuschen unterbrochen wird, die den Ahlsdorfer Weg in Hemsbünde entlang fahren. Das könnten in wenigen Jahren deutlich weniger sein, denn die Samtgemeinde Bothel und die Stadt Rotenburg schieben an der Stelle gerade ein Projekt an, das nun einen Namen trägt.

„Fidi-Boon-Wech“ heißt von nun an der Fahrradweg, der auf dem Bahndamm von Brockel nach Rotenburg entstehen soll – über knapp acht, nahezu schnurgerade, Kilometer quer durch die Landschaft. Und unter diesem Titel plant Dirk Eberle, Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel, das Projekt beim zuständigen Projektträger Jülich einzureichen, der das Vorhaben auf Förderfähigkeit prüfen wird. Für die Namensfindung hatten sich die Kommunen an die Bürger gewandt, 60 Teilnehmer hatten 143 Vorschläge eingereicht. Anfang Juni hatten dann die Bürgermeister der Samtgemeinde, der Stadt Rotenburg sowie der Gemeinden Hemsbünde und Brockel zusammengesessen. Denn der Name für das Projekt sollte die ursprüngliche Nutzung des Damms durch die Bahn widerspiegeln, die Historie und zudem etwas Plattdeutsch enthalten. Die beste Idee hatte am Ende Marion Kroppach-Frey mit der Kombination „Fidi-Boon-Wech“, aber auch Jessica Gottschalk aus Bothel lieferte mit „Fidi“ einen entscheidenden Baustein. „Friedrich hieß einer der ersten Lokführer, die 1906 auf dieser Strecke unterwegs waren“, erläuterte Kroppach-Frey ihren Gewinnervorschlag. Beide Ideengeberinnen bekamen zum Dank nicht nur einen Blumenstrauß, sondern auch eine große, leuchtend gelbe Fahrradklingel.
„Wo hat man das schon: eine fast gerade Linie, wir müssen keine Flächen hinzu kaufen, der Weg verbindet Kommunen – und der Unterbau ist auch schon da“, freut sich Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber. Denn auch wenn die Bahn beim Rückbau der in den 1960er- und 1970er-Jahren stillgelegten Strecke Schienen und Schwellen entsorgt hatte: Der Damm und der Schotter für das Gleisbett sind noch da.
„Gerade das war auch ein Pluspunkt, als es um die Fördermittel ging“, betont Eberle. Denn beide Kommunen hoffen auf eine Förderung von 75 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro, die aus Bundesmitteln, genauer aus einem Förderprogramm zur Co2-Reduzierung, kommen soll. Von den übrigen 25 Prozent trägt aufgrund des größeren Flächenanteils die Stadt Rotenburg weitere 433.000 Euro.
Unumstritten ist das Projekt allerdings nicht: „Das Argument, dass die Unsicherheit in dieser Zeit mit Corona zu groß ist, greift nicht“, so Weber und zitiert Kanzlerin Angela Merkel: „Wenn die Kommunen nicht investieren, wie geht es dann der Wirtschaft?“ Zumal sich die Kosten auf mehrere Haushaltsjahre verteilen würden.
Auch aus Sicht des Naturschutzes gäbe es keine Bedenken: „Es wird nichts zerschnitten, wir nutzen lediglich das vorghandene Gleisbett“, betonte Weber. Zudem soll, so Eberle, beim Bau darauf geachtet werden, dass die Gehölze entlang der etwa 2,60 bis 2,70 Meter breiten Strecke erhalten bleiben. Besonders angesichts der Verkehrswende sei das Projekt bedeutend: „Wir schaffen hier eine Verbindung, die schnell von Brockel zum Bahnhof in Rotenburg führt – mit dem E-Bike sind das am Ende nur wenige Minuten – und man hat hier keinen Kfz-Verkehr neben sich, wie entlang der Bundesstraße. Das Thema Komfort spielt eine große Rolle, wenn wir wollen, dass mehr Menschen auf Fahrten mit dem Auto verzichten.“ Er ist sich sicher: „Die Menschen wollen diese Fahrradverbindung nach Rotenburg, da haben wir eine breite Unterstützung in der Bevölkerung“, erklärt Eberle. „Das haben wir auch bei den Umfragen zur Dorfentwicklung Wiedau-Walsede erfahren.“ 2021 soll die Planung beginnen, 2022 und 2023 folgt dann die Realisierung.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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