Heizungsanlagen auf Kohlenmonoxidausstoß unter der Lupe - Von Nina Baucke

Unauffällige Gefahr

Schornsteinfeger überprüfen regelmäßig die Abgaswege. Foto: Nina Baucke
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Brockel. Das kleine gelbe Gerät bleibt stumm, kein Piepsen, kein Ausschlag auf dem Display: „Das ist in diesem Fall ein gutes Zeichen“, sagt Niels Neunaber, als er eine Wohnung in Brockel betritt. Denn bei dem Apparat handelt es sich um ein CO-Warngerät, mit dem Heizungsmonteure gleich beim Betreten einer Wohnung die Raumluft auf Kohlenmonoxid (CO) prüfen. Denn die Verbindung aus Kohlen- und Sauerstoff ist tückisch: Sie reizt nicht, ist weder zu riechen noch zu schmecken – und das macht sie zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahr.

Im Februar hatte der Fall einer Familie in Baden-Württemberg, die in ihrer eigenen Wohnung einer Kohlenmonoxidvergiftung zum Opfer fiel, Schlagzeilen gemacht. Neunaber arbeitet für die EWE-Netz, die derzeit die Anschlüsse in den Haushalten der Region überprüft. „Tritt Erdgas aus, würde man das schnell riechen, bei Kohlenmonoxid ist das nicht der Fall“, erklärt er. „Und das ist das Gefährliche daran, denn es ist schon in relativ geringen Konzentrationen toxisch.“

Kohlenmonoxid entsteht beim Verbrennungsprozess der Gasheizungsanlage, demnach kann die Konzentration in der Nähe des Gasbrenners leicht zunehmen. In der Regel wird das CO über den Schornstein ins Freie geleitet, doch bei Problemen im Kaminzug kann das Kohlenmonoxid auch in die Raumluft gelangen. Ursachen dafür können ein eingeschalteter Dunstabzug sein, der für Gegendruck sorgt, undichte Kamine und Öfen, oder auch Wespen- oder Vogelnester, die den Kamin blockieren. „Der Mensch hat keine Chance, das wahrzunehmen“, sagt Jens Witthaus, ebenfalls EWE-Netz. Es gibt einen Grenzwert für den Kohlenmonoxidgehalt in der Raumluft, der in „Parts per Million“ (ppm) gemessen wird und der bei 1.000 liegt. „Ab einem solchen ppm-Wert müssen wir die Anlage sperren, aber schon bei 300 ppm zumindest bemängeln“, erläutert Witthaus. Entscheidungsspielraum gäbe es da nicht: „Manche Kunden können das nicht nachvollziehen, die fragen uns, warum wir sie nun sperren, dabei laufe das Gerät doch gut.“ Auf etwa 2.000 Kundenbesuche kommen laut Angaben von Neunaber 35 Sperrungen. „Da waren aber auch die Werte deutlich zu hoch. Unter anderem kam der ppm-Wert bei einer Familie auf 15.000. Da müssen wir sofort reagieren.“ Daher sollten Gasheizungsbesitzer ihre Anlage jährlich warten lassen, wer darüber hinaus sicher gehen will, für den gibt es Co-Melder, vom Prinzip her ähnlich wie ein Rauchmelder. „Wichtig ist dabei der Ort, wo das Gerät installiert wird, es sollte genügend Abstand zu Türen und Fenstern haben, damit die Werte nicht durch Zugluft manipuliert werden“, rät Witthaus. Allerdings: „Auch wenn wir regelmäßig prüfen und warten – irgendwann kann ein Defekt auftreten“, erklärt Schornsteinfeger Torsten Apmann, der für die Überprüfung der Abgaswege zuständig ist. „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten – eine Verschmutzung durch Flusen – und schon gibt es ein anderes Luftgemisch, eine unvollkommene Verbrennung.“ Ohnehin überprüft die EWE derzeit Anlagen und passt sie gegebenenfalls an – denn in einigen Jahren wird anstelle des L-Gases aus den Niederlanden mehr H-Gas aus Norwegen und Russland importiert, und das hat einen höheren Brennwert. „Die Erdgasumstellung im Landkreis ist damit auch eine Sicherheitsaufgabe“, so Neunaber.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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