HBM-Studie gibt in Sachen Krebsfälle keine Klarheit

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Bothel (nin). Die Unklarheit darüber, was zu den erhöhten Raten hämatologischer Krebserkrankungen bei Männern in der Samtgemeinde Bothel führt, bleibt weiterhin: Auch über die Human-Biomonitoring-Studie (HBM-Studie), die das Niedersächsische Sozialministerium in Auftrag gegeben hatte, lassen sich keine aktuellen Belastungen nachweisen. Das gab nun der Landkreis Rotenburg in einer Pressemitteilung bekannt.

„Es war trotzdem der nötige Schritt, um in der Frage nach der Häufung ein Stück weiterzukommen“, sagt Dirk Eberle, Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel gegenüber der Rundschau. Man wisse nun, dass es im Zeitraum der Studie keine akuten Belastungen gegeben hatte. „Dennoch wissen wir weiterhin nicht, woran das liegt. Und die Menschen machen sich Sorgen.“

„Sowohl hinsichtlich der Luftbelastung als auch der im Stoffwechsel nachweisbaren Konzentrationen der untersuchten Stoffe ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Untersuchungsgruppe aus der Samtgemeinde Bothel und der Kontrollgruppe aus dem nördlichen Kreisgebiet“, heißt es dort. „Für den Landkreis ist es nun wichtig, dass die Ergebnisse so schnell wie möglich auch der Bevölkerung vor Ort vorgestellt werden und diese ihre Fragen dazu stellen können. Deshalb haben wir das Thema in Hannover sofort nach der Vorstellung der Ergebnisse mit dem Ministerium geklärt“, erläutert demnach der Erste Kreisrat Torsten Lühring.

„Alle bisherigen Studien zeigen: Wir kennen die Ursache der statistisch vermehrt auftretenden Krebsfälle nicht“, so Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie, in einer Pressemeldung des Verbands. „Die Vorverurteilungen unserer Industrie haben sich als ungerechtfertigt erwiesen. Falls auch nach dieser Studie weitere Untersuchungen für sinnvoll erachtet werden, ist es im Interesse der Menschen vor Ort höchste Zeit, alle möglichen auslösenden Faktoren in Betracht zu ziehen und ergebnisoffen zu untersuchen.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil mahnt davor, zur Tagesordnung überzugehen: „Andere Studien haben in der Vergangenheit festgestellt, dass es in der Region auffällige Krebshäufungen in der Nähe von Erdgasförderung gibt. Auch nach Ende der HBM-Studie bleiben die Ursachen für die Krebserkrankungen weiter unklar. Die Unsicherheiten und die Ungewissheiten bleiben bestehen. Ich will, dass wir alles tun, um die Ursachen für die Krebserkrankungen zu finden.“

Am Dienstag hatte das Sozialministerium die Ergebnisse der Studie in Hannover präsentiert. Die Untersuchung sollte klären, ob – und gegebenenfalls wie stark – die in der Nähe von Erdgas-Förderanlagen wohnenden Menschen Schadstoffen ausgesetzt sind. Ein Fokus lag dabei auf Benzol und Quecksilber als potenziell krebsauslösende Stoffe. Die mit der Studie beauftragte Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hatte einerseits die äußeren Belastungen durch Messungen der Außen- und Innenluft sowie der individuellen Umgebung untersucht. Daneben ging es auch um die Ermittlung der innere Belastung der Probanden durch Benzol und Quecksilber, indem die Werte aus dem 24-Stunden-Sammelurin berechnet wurden.

Die Teilnehmer an der Studie sollen laut Landkreis in Kürze ihr persönliches Untersuchungsergebnis bekommen. Die gesamten Ergebnisse sollen noch einmal im Januar nächsten Jahres öffentlich vorgestellt werden. Darüber hinaus hat der Landkreis bereits im September eine Nachbeobachtung der für die Jahre 2003 bis 2012 gefundenen Krebshäufung durch das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen in Auftrag gegeben. „Mit ersten Ergebnissen dazu ist im Frühjahr 2021 zu rechnen“, so Lühring. „Hier können wir sehen, ob diese Art der Krebserkrankung bei älteren Männern auch in den Jahren 2013 bis 2018 vermehrt aufgetreten ist. Dies ist eine weitere Bestandsaufnahme, die nichts über die Ursachen aussagen kann. Der Landkreis begrüßt daher ausdrücklich, dass Gesundheitsministerin Carola Reimann zusichert, den Gesundheitsschutz im Umfeld industrieller Anlagen der Kohlenwasserstoffförderung weiter intensiv im Blick zu haben.“ Das sieht auch Eberle so: „Es ist ein gutes Zeichen, zu sehen, das Land und Landkreis da dranbleiben und wir die Chance haben, den Auslöser zu finden.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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