Ehrung für Botheler Schiedsmann Hermann Möhrmann - Von Ann-Christin Beims

Alltagshelfer

Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle (links), Maren von Frieling (rechts) und Clementine von Hahn gratulieren Hermann Möhrmann zu seinem Engagement. Foto: Ann-Christin Beims
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Bothel. Wenn Nachbarn sich streiten, bei Hausfriedensbruch, Sachbeschädigungen und ähnlichen Vorfällen, sind sie zur Stelle: Schiedsmänner und -frauen versuchen zu schlichten und Kompromisse zu finden. Einer von ihnen ist Hermann Möhrmann, dem die Samtgemeinde Bothel nun in einer kleinen Feierstunde für sein zehnjähriges Engagement dankte.

Bereits 2007 hat er das Ehrenamt übernommen, zunächst als Stellvertreter von Shana Thies. 2012 folgte ein Rollentausch, bis sich Thies Anfang 2018 dazu entschloss, ganz aufzuhören. Doch eine Vakanz gab es nicht: Bereits 2017 stieß der Brockeler Wilhelm Janssen zum Team, übernahm dann den Stellvertreterposten. „Es war immer Teamarbeit, sie haben sich ihre Erfahrungen weitergegeben, wenn jemand Neues dazu kam“, lobte Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle die Kontinuität. „Da gehört mehr dazu, als einfach nur zuzuhören.“ So sei es ein großer persönlicher Aufwand, sich stetig fortzubilden und das Fundament für die Aufgabe zu legen.

In seiner Rede ging Eberle auch auf seine eigene Erfahrung ein, da er bereits selbst die Hilfe eines Schiedsmannes benötigt hatte. „Da habe ich gemerkt, wie sinnvoll diese vorgerichtliche Instanz ist.“ Es ist die erste Ebene, auf der sich die Parteien nicht mehr im Privaten begegnen, bevor es „ans Eingemachte ginge und viel Geld kosten würde“. Der Samtgemeindebürgermeister lobte den neutralen Blick, mit dem Möhrmann seine Aufgabe erledige. „Eine sachliche Moderation ist wertvoll.“ Möhrmann bringe nicht nur das Fachwissen mit, sondern fülle mit seiner freundlichen, ruhigen, aber dennoch bestimmten Art den Posten perfekt aus.

Möhrmann selbst betonte, dass er sich freue, für weitere fünf Jahre vom Samtgemeinderat die Stimmen bekommen zu haben. „Ich kenne das aus meinem Beruf im Katasteramt, auch dort hatte ich mit Grenzen zu tun. Da kann es Zwist geben, wenn jemand meint, er kann sich auf seinem Grundstück alles erlauben. Und so ist es auch im Alltag, da meint jeder, er sei im Recht.“ Dann sei er da, um Kompromisse zu finden. In rund 80 Prozent der Fälle seien sie erfolgreich, aber „es könnten noch mehr sein“, räumte der Geehrte ein. Wenn seine Gesundheit es zulässt, möchte er bis 2022 weiter machen.

Auch die stellvertretende Direktorin des Amtsgerichtes Rotenburg, Clementine von Hahn, bedankte sich persönlich für das zehnjährige Engagement mit einer Urkunde. Einige Male habe sie sich mit Möhrmann ausgetauscht, dabei standen fachliche Fragen im Mittelpunkt, mitunter schwierige Konstellationen. „Ich habe Sie als erfahrenen und umsichtigen Schiedsmann kennengelernt“, würdigte sie seine Leistung. „Ich denke, zehn Jahre Ehrenamt sind heutzutage nicht mehr selbstverständlich“, schloss sich auch Maren von Frieling, Vorsitzende der Bezirksvereinigung Verden des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen, den Glückwünschen an.

Pro Jahr haben Möhrmann und Janssen etwa sechs bis sieben Fälle, in denen ihr Rat gefragt ist. „Wir raten immer erst dazu, den Kontakt zum Gegenüber aufzunehmen. Es gehört natürlich Mut dazu, die Person anzusprechen“, erklärt er. Wenn er beide Parteien einlade, „wird es manchmal laut“. Die Fälle liegen oft im Nachbarschaftsbereich, dann geht es um Geruch, Laub, Äste oder Lärm, „ein lauter Musikwecker bei offenem Fenster zum Beispiel sind so Kuriositäten“.

Dabei sei die Mediation wichtig, um den Leuten zu vermitteln, wie der jeweils andere sich fühle – und dennoch geht es manchmal vor Gericht. Manche Fälle erhalten die Schiedsmänner von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft, wenn diese ein Verfahren einstellt. „Das können Sachbeschädigungen oder Beleidigungen sein“, zählt von Frieling auf. Es gab aber auch Fälle, die Möhrmann in Absprache mit dem Amtsgericht abgelehnt hat. „Da bekommen Sie von uns Rückendeckung, es herrscht eine gute Zusammenarbeit. Es ist eine wichtige und sinnvolle Institution“, merkt von Hahn an. Möhrmann selbst sei immer froh, wenn die Parteien sich gütlich einigen. „Deswegen mache ich das.“

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