Dörte Spanghel ist seit 20 Jahren als Malwine unterwegs - Von Nina Baucke

Patent mit Blümchenhut

Dörte Spanghel mit Malwines Requisiten: "Mit Malwine unterwegs zu sein, macht wahnsinnig viel Spaß." Foto: Nina Baucke
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Hemslingen. Dunkelrotes Kostümchen, unter dessen Rock die Miederhose hervorblitzt, Perlenkette, Hut mit Blümchen auf dem Kopf und möglicherweise einen Hauch zu viel Rouge im Gesicht – Malwine hat sich für den Sonntagsbesuch herausgeputzt. Zu erzählen hat sie ja immer etwas, und seien es die Marotten ihres Mannes Hans-Günter. Und das bereits seit 20 Jahren, denn seit dieser Zeit schlüpft die Hemslingerin Dörte Spanghel in die Haut der naiven Landfrau mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Hannover, Ludwigslust, Lüneburg, Usedom und einmal sogar der Schwarzwald – die Liste von Spanghels Auftrittsorten ist lang geworden in den vergangenen zwei Jahrzehnten. „Ich habe immer gesagt, ich mache das solange, wie die Leute das sehen wollen“, sagt die 54-Jährige und lacht. Denn nach wie vor ist sie viel als Malwine unterwegs. Dabei ist die Rolle, die ihr mittlerweile eng ans Herz gewachsen ist, ursprünglich mal eine unter vielen gewesen.

„Ich habe mal in einem Theaterstück der Hemslinger Landjugend mitgespielt, ,Mien Mann de föhrt to See‘, dort gab es eine Rolle namens Malwine“, erinnert sie sich. Spanghels Malwine kam so gut an, dass sich das herumsprach. Irgendwann wandte sich eine Kollegin an die gelernte Zahnarzthelferin, sie wünschte sich zu ihrer Silberhochzeit einen Besuch von Malwine. „Das war schon schwierig, einen Text zu entwickeln“, erinnert sich Spanghel. Aber es funktionierte, denn schnell trudelten weitere Nachfragen bei ihr ein, Malwine kam in's Rollen. Heute ist sie auf Familienfeiern und Festen unterwegs, Firmenjubiläen und Geburtstage, Seniorennachmittage und die Weihnachtsfeier des Sportvereins – und auf plattdeutschen Abenden. „Denn natürlich schnackt Malwine platt“, betont Spanghel. „Es gibt wenige Frauen, die etwas in dieser Richtung machen – und noch weniger auf Platt.“ Kein Problem für die Hemslingerin, die aus einer Familie kam, in der Platt gang und gäbe war – auch, wenn ihre Eltern mit ihr und ihren Geschwistern Hochdeutsch gesprochen haben. „Ich habe dann einfach mit meiner Oma geübt“, erinnert sie sich. Selbst wenn das Erscheinungsbild Malwines heute noch in weiten Teilen dem von vor 20 Jahren ähnelt, haben sich doch schon Kleinigkeiten verändert. So ist der Überbiss der ersten Jahre längst verschwunden. „Das ging beim Sprechen irgendwie überhaupt nicht mehr“, sagt Spanghel, die mit ihrer Stimme auch die letzten Ecken eines Saales deutlich erreichen muss – und das ohne ein entsprechendes Stimm-training. „Und letztenendes macht das Malwine auch nicht aus. Die Menschen sollen sich fragen: Wo ist die denn abgehauen?“, beschreibt Spanghel das Äußere ihrer Figur. Auch ist es eben das markante Kostüm, dass ihr es noch leichter macht, sich in die Rolle fallen zu lassen. „Ich ziehe mich um – und dann ist sie auf einmal da.“ Und eines hat sich ebenfalls nicht geändert: „Malwine ist einfach dummdreist, sie ist total einfach gestrickt.“ Doch gerade das ist es, was Spanghel an ihrer Figur mag: „Sie hat ihre eigene Art, ist ungezogen, redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Und gleichzeitig ist sie ein Ventil für das, was ich selber als Dörte nicht sagen kann“, sagt Spanghel. „Für mich selbst ist es schwer, einen Witz zu erzählen. Malwine kann das, mit ihr bin ich da freier, schlagfertiger. Und alleine, wie sie aussieht, nimmt sie schon keiner ernst, so dass ihr viel eher die Dinge über die Lippen kommen.“ Regelmäßig erarbeitet sie ein neues Programm – allerdings ohne Zeitgeist. „Malwine passt sich nicht an moderne Zeiten an, sie ist nicht politisch, beleidigt niemanden. Das ist mir wichtig“, erklärt Spanghel. Nur von Zeit zu Zeit wird es aktuell – wenn die Fußball-Nationalmannschaft oder der FC Bayern spielt, denn selbstverständlich ist Hans-Günter Fußballfan. Einen festen Text, den sie auswendig lernt, hat sie nicht – eher einen groben Fahrplan im Kopf: Was ist der Ausgangspunkt – und wie geht es zur Schlusspointe des Auftritts? „Dazwischen bin ich flexibel, muss schnell reagieren und gehe auf das Publikum ein.“ Dem Charme der naiven Landfrau konnte sich auch nicht der NDR entziehen, seit einigen Jahren tritt Spanghel immer mal wieder zusammen mit verschiedenen Moderatoren des Senders auf, darunter Ludger Abeln, Jan Graf und Gerd Spiekermann. Sehnsucht nach Theaterspielen und nach anderen Rollen hat Spanghel nicht: „Mit Malwine unterwegs zu sein, macht wahnsinnig viel Spaß. Vor allem, wenn Auftritte so richtig in Fahrt kommen, das Publikum mitmacht und auf einmal Gags aus mir herauskommen, an die ich eigentlich schon lange nicht mehr gedacht hatte“, schwärmt Spanghel. Für sie ist es das Größte, Menschen mit Malwine zu unterhalten – egal, ob mal mit einer gebrochenen Rippe oder mit Magen-Darm-Grippe. „Einen Auftritt wegen Krankheit abgesagt habe ich noch nie“, betont Spanghel und lacht: „Wenn jeder so zur Arbeit gehen könnte wie ich, gäb's keine gelben Scheine mehr.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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