Alkoholverbot am 1. Mai soll Wanderung zum Bullensee verhindern - Von Dennis Bartz

Null Promille im Bollerwagen

Die meisten Teilnehmer der Wanderung wollten u2013 wie hier im Moorkamp u2013 nur friedlich feiern. In vergangenen Jahren war es aber zu mehr Zwischenfällen gekommen.
 ©Andreas Schultz

Rotenburg. Sie haben an Häuserwände gepinkelt, leere Bierflaschen auf die Straße geschmissen, Zäune beschädigt und sich nach Ansicht der Polizei „mit Alkohol abgeschossen“. Mit anderen Worten: Viele Teilnehmer der Wanderung zum Bullensee am 1. Mai haben sich im vergangenen Jahr gründlich daneben benommen. Die Stadt Rotenburg will deshalb in Absprache mit Polizei, Landkreis und den Rettungskräften der traditionellen „Pichelwanderung“ mit einer Allgemeinverfügung ein Ende setzen.

Diese Verfügung untersagt in den traditionell für die Wanderung genutzten Wegen am Mühlenende das Mitführen und Trinken alkoholischer Getränke jeglischer Art sowie das Mitführen von Glasflaschen und Trinkgläsern auf öffentlichen Verkehrsflächen am 1. Mai in der Zeit von 8 bis 24 Uhr. Wer dennoch mit Alkohol erwischt wird, dem droht ein Zwangsgeld in Höhe von 200 Euro. Einsatzleiter Thomas Buncke kündigt an, dass die Polizei dies streng kontrolliert wird: „Wer sich nicht daran hält, dem sprechen wir außerdem ein Platzverbot aus.“

Weber bittet um Verständnis für diese Entscheidung: „Wir konnten das so nicht mehr weiterlaufen lassen.“ Die traditionelle Wanderung sei viele Jahre friedlich abgelaufen. Er sei früher selbst mit dabei gewesen, so der Bürgermeister. Doch inzwischen habe sich vieles verändert: „Seit zehn Jahren gibt es überregionalen Zulauf aus Hamburg, Hannover und Oldenburg. Die Situation wurde in den vergangenen fünf Jahren immer extremer. Wir mussten sogar eine Schule vergittern, um diese zu schützen“, erklärt Weber. Der Aufwand für Ordnungsamt und Polizei sei deswegen in den vergangenen Jahren immer weiter angewachsen.

Mehr Polizeipräsenz habe jedoch nicht dafür gesorgt, dass sich alle Teilnehmer an die Regeln gehalten hätten. Am 1. Mai 2015 musste die Polizei in zwölf Stunden 19 Platzverweise gegen Teilnehmer der Wanderung aussprechen. Zum Vergleich: Nur sechs Platzverweise waren es an einem gesamten Tag des Hurricane-Festivals in Scheeßel. Und das bei bis zu 70.000 Besuchern auf dem Eichenring – und nur 4.500 Teilnehmern der Bullensee-Wanderbung. Die Anwohner hätten in den Jahren zuvor noch viel Tolleranz gezeigt, lobt Weber. Das deckt sich auch mit der Einschätzung der Polizei. Doch dies habe sich durch das respektlose Verhalten der Teilnehmer in den vergangenen Jahren geändert.

Bereits in der „Anmarschphase“, wie es Buncke nennt, hätten die Teilnehmer in einigen Bereichen den Verkehr quasi lahmgelegt. Die Besucher hätten fremde Grundstücke betreten und Zäune beschädigt. Ein Hund sei mit Flaschen beschmissen und dabei verletzt worden. Außerdem seien die Arbeiten von Rettungskräften zum Teil massiv erschwert worden, erinnert sich Silke Hinze, Leiterin der Rettungsstelle des Landkreises: „Teilnehmer haben gegen den Rettungswagen getreten, die Türen aufgerissen und hineingebrüllt.“

Weber hatte sich im vergangenen Jahr selbst ein Bild von der Situation gemacht, noch bevor der Reinigungsdienst das Schlimmste beseitigt hatte: „Da waren überall Glasscherben. Als hätten die Teilnehmer der Wanderungen gezielt Flaschen zerschmissen.“ Der Bullensee sei dadurch zu einer „No-go-Area“ für Familien geworden. Ein Zustand, den Weber nun nicht länger akzeptieren will. Bis in den Sommer hinein hätten am Ufer noch Glassscherben gelegen: „Vielleicht liegen dort sogar immernoch welche, an denen sich Badegäste verletzen könnten“, ärgert sich Lutz Früchtenicht vom DLRG.

Am 1. Mai diesen Jahres soll der Bullensee wieder denen gehören, die dorthin einen entspannten Auslug machen möchten. Auf dem Parkplatz werden deswegen auch keine Imbisswagen und mobilen Toillettenhäuschen aufgestellt. „Ich bin mir sicher, dass es die Wanderung in diesem Jahr nicht stattfinden wird“, so Weber.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
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