Mehr als 500 Mitglieder aktiv in Corona-Nachbarschaftshilfe - Von Dennis Bartz

Von Tür zu Tür

Marc Andreßen (von links), Kim Kristin Weber und Olaf Laudan bringen Helfer und Hilfesuchende in Zeiten der Corona-Krise zusammen.
 ©Foto: Dennis Bartz

Landkreis Rotenburg. Die Anzahl der am neuartigen Coronavirus Covid-19 Erkrankten wächst rasant – und damit die Verunsicherung der Menschen. Bis Freitagmittag waren deutschlandweit bereits mehr als 7.500 Menschen betroffen, darunter 18 im Landkreis Rotenburg: verteilt in den Gemeinden Sittensen, Scheeßel, Sottrum sowie in Zeven, Visselhövede, Rotenburg und Bremervörde. Während die Erkrankung bei jungen und bis dahin gesunden Personen oft glimpflich verläuft, müssen besonders ältere Menschen mit Vorerkrankungen oft im Krankenhaus behandelt werden. 17 Menschen sind in Deutschland bisher an den Folgen von Covid-19 verstorben.

Um die Verbreitung der Pandemie bestmöglich einzudämmen, bleiben Kitas und Schulen ebenso geschlossen wie seit Dienstag viele Geschäfte und Freizeiteinrichtungen. Soziale Kontakte sollen möglichst auf ein Minimum beschränkt werden. Das gesellschaftliche Leben steht seitdem nahezu still – für ältere Menschen und Erkrankte in Quarantäne kann dies zu einem Problem werden. Sie können sich häufig nicht alleine versorgen oder sind anderweitig auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen.

In der Facebook-Gruppe „Du kommst aus dem Altkreis Rotenburg wenn“ ist deshalb die Idee entstanden ist deshalb die Idee entstanden, die Corona-Nachbarschaftshilfe im Altkreis Rotenburg zu gründen. Nach wenigen Tagen hat die eigenständige Gruppe bereits mehr als 550 Mitglieder.


Die fünf Koordinatoren Marc Andreßen, Kim Kristin Weber, Olaf Laudan und Ingo Krampitz aus Rotenburg sowie Ilka Babiel aus Hemsbünde sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. „Man kennt seinen Nachbarn heute oft leider gar nicht mehr persönlich. Umso schöner ist es, dass sich auf Anhieb so viele Menschen für die gute Sache stark machen wollen“, so Weber.

„Wir sind eine offene Gruppe für alle Hilfesuchenden und Helfer im Altkreis Rotenburg, von Zeven bis Visselhövede. Wir versuchen zu helfen, damit wir gemeinsam die Herausforderung ,Corona‘ überstehen“, betont Andreßen. Die Koordinatoren prüfen alle Anfragen, die telefonisch oder per E-Mail eingehen, und bringen danach Helfer und Hilfesuchende zusammen.

Die Unterstützungsmöglichkeiten sind sehr vielseitig: Die Helfer können Einkäufe sowie Botengänge und Fahrdienste aller Art erledigen, mit dem Hund spazieren gehen und vieles mehr. Ganz wichtig: Alles auf freiwilliger Basis und unentgeltlich. Damit die Helfer nicht sich selbst und andere gefährden, geben ihnen die Koordinatoren wichtige Regeln zu Hygiene und Sicherheit an die Hand. Sie sind beispielsweise dazu angehalten, Einkäufe nur vor die Tür zu stellen, nach Möglichkeit bargeldlos zu bezahlen und Handschuhe zu tragen. „Uns geht es darum, für beide Seiten das Risiko niedrig zu halten“, so Andreßen.

Er und die weiteren Koordinatoren betreiben in diesen Tagen viel Netzwerkarbeit. Sie stehen im Kontakt zu Schulen, dem Diakonischen Werk, zu dem Team vom Straßenfeger, dem DRK und Kirchenkreis, weitere Gruppen und Organisationen sollen folgen. „Manchmal sind Spezialisten gefragt, da wollen wir uns gegenseitig unterstützen“, so Laudan. Zusätzlich hat die Gruppe einen Flyer entworfen, der bei Facebook und unter www.corona-row.de kostenlos zum Download bereitsteht. Interessierte Helfer können diesen ausdrucken und in der direkten Nachbarschaft verteilen. „Also direkt um die Ecke – das ist uns wichtig. Denn dort kennen sie die Menschen. Die Gefahr von Missbrauch wird damit bestmöglich eingedämmt“, so Andreßen.

Die Koordinatoren appellieren an alle Bürger im Altkreis, auf Hamsterkäufe zu verzichten. „In vielen Lebensmittelmärkten sind Toilettenpapier, Nudeln, Mehl und andere Produkte ausverkauft. Wer auf Vorrat kauft, handelt egoistisch und unverantwortlich. Die Versorgungslücken sind hausgemacht. Es gibt keinen Grund zur Panik“, betont Laudan.

Die Koordinatoren der Corona-Nachbarschaftshilfe sind für Helfer und Hilfesuchende gleichermaßen telefonisch unter 04261/2098112 (Anrufbeantworter) und per E-Mail an hilfe@corona-row.de erreichbar. Zusätzlich gibt es eine WhatsApp-Gruppe speziell für Helfer. Allgemeine Informationen und die aktuellen Fallzahlen sind auf der Internetseite des Landkreises unter www.lk-row.de/corona abrufbar.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

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