Landkreis Rotenburg beginnt mit Corona-Schutzimpfung - Von Nina Baucke

Warten auf den Pieks

Jens Hedicke (im Hintergrund von links), Heike von Ostrowski und Chris Knoblauch geben einen Einblick in den aktuellen Stand der Impfungen im Landkreis. Foto: Nina Baucke
 ©Rotenburger Rundschau

Rotenburg. Auf einmal ging es doch früher als gedacht los: Am 1. Januar setzte das mobile Impfteam des Landkreises in einem Pflegeheim in Selsingen die ersten Spritzen mit dem Corona-Vakzin. Und auch, wenn jetzt der Nachschub an Impfstoff stockt, ist Dezernentin Heike von Ostrowski sich sicher: „Dass wir am Neujahrstag anfangen konnten, war ein hoffnungsvoller Start ins neue Jahr. Und wir freuen uns, dass wir nun eine weitere Methode haben, die Pandemie einzudämmen.“

Bis Freitagmorgen waren die drei derzeit aktiven mobilen Teams zu je fünf Personen in zwölf Alten- und Pflegeheimen unterwegs, Stand Freitagmorgen haben insgesamt 1.088 Personen eine erste Impfung erhalten. Eine weitere, am Donnerstag eingetroffene Impfstofflieferung desselben Umfangs wollen die Teams im Laufe der kommenden Tage verimpfen. Insgesamt befinden sich im Landkreis 32 Einrichtungen mit etwa 2.100 Plätzen, 1.200 Pflegekräften und 200 weiteren Mitarbeitern – demnach rund 3.500 Personen, die der Landkreis mit den ersten Impfstofflieferungen versorgen will. Doch gerade in diesen Einrichtungen haben Bewohner und Pflegepersonal es aktuell mit hohen Infektionsraten zu tun, insgesamt sieben Heime sind derzeit betroffen: „Alle Todesfälle seit Dezember waren Bewohner von Pflegeheimen“, so von Ostrowski.
Bei den Impfungen jetzt ginge es auch noch nicht um Normalität, sondern nur um einen Schritt. „Aber gerade bei diesen hohen Zahlen in den Pflegeeinrichtungen ist das ein gutes Zeichen“, betont die Dezernentin. Nicht in jedem Heim ist derzeit eine Imfpung möglich, beispielsweise in der Einrichtung in Wilstedt: „Dort sind aktuell 43 von 44 Bewohnern positiv, da macht das derzeit keinen Sinn“, so von Ostrowski.
Was dazu kommt: Eine Lösung für Über-80-Jährige, die zu Hause leben, steht noch aus. „Wir sind da aber mit dem Land im Gespräch“, so von Ostrowski. „Nicht jeder ist in der Lage, eigenständig zum Impfzentrum nach Zeven zu kommen. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, Termine mit den mobilen Teams in verschiedenen Ortschaften anzubieten.“ Das Problem: „Die Grundkonzepte werden oft aus einem städtischen Blickwinkel gemacht – und nicht für die Fläche. Die Kompetenz, alle betroffenen Personen zu erreichen, liegt hier bei den Kommunen“, so Jens Hedicke, Leiter des Gesundheitsamtes Bremervörde.
In den Einrichtungen stoßen die Teams generell auf Zustimmung: „Es gibt hier beispielsweise beim Personal eine höhere Impfbereitschaft als im Bundesdurchschnitt“, ist Hedicke überzeugt. „Die Impfbereitschaft wird mit der Zeit zunehmen, denke ich“, sagt auch von Ostrowski. Diese Einschätzung teilt ebenso Chris Knoblauch, der als Leiter des Krisenstabs die Impfungen im Landkreis koordiniert: „Als ich für den verfrühten Impfstart bei Heimen nachgefragt habe, habe ich gemerkt, dass dort die Freude darüber, dass es los geht, groß ist“, so Knoblauch. „Auch unsere Impfteams wachsen zu kleinen Gemeinschaften zusammen, sie freuen sich, diesen Dienst zu machen.“ Die Teams setzen sich aus Mitarbeitern des DRK, der Kreisverwaltung, einem Arzt und einer impfberechtigten Person zusammen. Die Anzahl der Teams lässt sich bis auf fünf aufstocken, alles Personal, das ansonsten für das Impfzentrum standby steht. Insgesamt umfasst der Personalpool 90 Personen. „Auch ausreichend Ärzte haben sich bei uns gemeldet“, freut sich von Ostrowski.
Die Mitglieder der Teams sind auch mit unter den bisher Geimpften: „In einer Ampulle sind offiziell fünf Impfdosen enthalten, aber ingesamt reicht es für sechs. Und da wir nichts davon wegwerfen wollen, bekommen die Mitglieder der Impfteams die sechste Dosis“, erklärt Knoblauch.
Die Zuteilung des Impfstoffes erfolgt über einen Verteilungsschlüssel des Landes Niedersachsen, das auch die zweite Dosis, die laut Hersteller 21 Tage nach der ersten verabreicht werden soll. „Aber wann die nächste Lieferung eintrifft, werde ich immer erst kurz vorher erfahren“, so der Bundeswehrleutnant. Die Lagerung erfolgt in Zeven, in einem Behälter mit Trockeneis. Am Vortag einer Impfung kommen die Ampullen in den Kühlschrank, vor Ort werden sie dann verdünnt und komplett verbraucht. „Wir haben zwischen der Anlieferung und dem Verbrauch ein Zeitfenster von zehn Tagen“, erklärt Knoblauch. Bisher seien aus den Einrichtungen keine nennenswerten Rückmeldungen über Beschwerden nach einer Impfung gekommen. „Manchmal tut kurzzeitig der Oberarm etwas weh – aber das ist wie nach einer Tetanus-Impfung“, so Knoblauch.
Das Impfzentrum in Zeven ist derweil noch nicht in Betrieb, auch Termine gibt es vom Land derzeit noch nicht. „Der Start der Vergabe hat sich vorerst auf Februar verschoben“, kündigt von Ostrowski an. Hintergrund ist eine ausgefallene Lieferung. „Daher konzentrieren wir uns vorerst auf die mobilen Teams. Wir verimpfen, was wir haben, darüber hinaus müssen wir Geduld haben und die Regeln einhalten.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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