15-Jähriger wird zum Helden bei Bullensee-Unglück - Von Dennis Bartz

Micha, ein Lebensretter

Der 15-jährige Verdener Micha Ortlieb rettete einem 28-jährigen Mann vor dem Ertrinken. Für seinen selbstlosen Einsatz zeichnete ihn die Stadt Rotenburg in dieser Woche aus.
 ©Rotenburger Rundschau

Rotenburg (db). Micha Ortlieb aus Verden ist ein Lebensretter. Der 15-jährige sprang vor zwei Wochen mutig in den Bullensee, um zwei in Not geratene Schwimmer vor dem Ertrinken zu retten. Einen 28-jährigen Mann aus Langwedel brachte der Schüler sicher ans Ufer.

Für dessen 25-jährige Begleiterin, Anastasie Djomaha Ngatchoua aus Rotenburg, konnte Micha dagegen nichts mehr tun. Die hinzu gerufenen Rettungskräfte, mehr als 40 Feuerwehrleute aus Bothel, Westerwalsede, Kirchwalsede, Hastedt und Rotenburg sowie die DLRG aus Rotenburg und Otterstedt, suchten verzweifelt nach der Vermissten und bargen zwei Stunden später ihren leblosen Körper aus dem See. Alle Bemühungen, sie wiederzubeleben, scheiterten. 

Für den selbstlosen Einsatz, bei dem Ortlieb sein eigenes Leben riskierte, ehrte ihn die Stadt Rotenburg in dieser Woche gemeinsam mit der Polizei und dem DRK im Rotenburger Rathaus. Der Schüler erhielt als Anerkennung eine Urkunde sowie Rotenburger Zehner. Die Polizei lud ihn außerdem für einen Tag ein.

Die DLRG spendiert ihm zudem einen Rettungsschwimmkurs und schlägt ihn für eine bundesweite Ehrung vor. Der Retter selbst zeigte sich bei der Feierstunde bescheiden und erklärte: „Ich würde das immer wieder machen.“

In der kommenden Wochen soll die Verstorbene in ihre Heimat nach Kamerun überführt werden. Um die Kosten in Höhe von 15.000 Euro zu stemmen, hat ihr Bruder Yves Youadjo eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Der Hamburger hatte seine Schwester vor zwei Jahren nach Deutschland geholt, ihre Familie lebt weiterhin dort. „Der Tag bleibt unvergesslich für uns. Anastasie, unsere Mimi, wurde nur acht Tage nach ihrem Geburtstag aus dem Leben gerissen, als sie ihr Lieblingshobby ausgeübt hat. Ihr war nicht klar, dass das Schwimmen auf offener See mehr Gefahren bietet als im Pool. Nichts kann uns trösten“, schreibt der Bruder in seinem Spendenaufruf.


„Wir sind sehr traurig und tief betroffen vom Tod unserer Auszubildenden Anastasie Djomaha Ngatchoua“, sagt Susanne Herrmann, Schulleiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Diakonieklinikums in Rotenburg.


Im Rahmen einer Trauerfeier nahmen Schüler und Lehrkräfte Abschied von der Schülerin, die als „liebenswert und engagiert“ beschrieben wird. Seit Oktober 2019 absolvierte sie die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. „Sie war mit dem Traum nach Deutschland gekommen, Krankenschwester zu werden. Leider wird ihr dieser nicht erfüllt“, so Hermann. Mit ihrer Freude am Lernen und am Leben habe sie viele Menschen angesteckt.

Bis Freitagmittag sind Spenden in Höhe von knapp 10.500 Euro eingegangen. Damit fehlen noch 5.000 Euro, um die Überführung zu finanzieren. Wer die Familie unterstützen möchte, kann unter diesem Link spenden (https://www.leetchi.com/c/solidarite-pour-anastasie-mimi) oder direkt auf das Konto des Bruders überweisen: Yves Youadjo, IBAN: DE14 3002 0900 5320 0824 84 bei der Targobank, Verwendungszweck: Anastasie Überführung.

Autor

Dennis Bartz Dennis Bartz
 04261 / 72 -430
 dennis.bartz@rotenburger-rundschau.de

17.09.2020

Sponsorenlauf Ahausen

26.08.2020

Kinder machen Theater

13.07.2020

In Krieg und Frieden

03.07.2020

Kettensäge und Kreativität