Hartmut Nack ist ab Februar neuer Pastor in Scheeßel - Von Ann-Christin Beims

Zwei Welten verbinden

Hartmut Nack öffnet die Türen zu seinem neuen Arbeitsplatz: der Scheeßeler Kirche. Foto: Ann-Christin Beims
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Scheeßel. Nach dem Abschied von Pastorin Gunda Handrich aus der Scheeßeler St. Lucas-Kirchengemeinde steht ihr Nachfolger fest: Hartmut Nack, vorher Vikar in Kirchwalsede, tritt am Sonntag, 3. Februar, mit dem Ordinationsgottesdienst um 14 Uhr seine erste Stelle als Pastor an. „Vorher war ich ein Stück weit an meinen Mentor gebunden, jetzt ändert sich vor allem die Eigenverantwortlichkeit“, sagt der begeisterte American-Football-Spieler.

Der 33-Jährige ist in Groß Meckelsen aufgewachsen, stammt aus einer dort seit Jahrhunderten ansässigen Landwirtschaftsfamilie. Vor seinem Studium war er ein Jahr in Großbritannien, hat dort auf Bauernhöfen gearbeitet. Eine Art Findungsphase, denn neben dem Berufswunsch Landwirt konnte er sich auch ein Theologie- oder Philosophiestudium nach der Schule vorstellen – ebenso eine Ausbildung zum Zimmermann. „Auf Walz sein hat mich immer sehr gereizt. Als reisender Handwerker ist es ein anderes Lebensgefühl, aber auch jetzt bin ich bei anderen Leuten in der Stube, habe mit Menschen zu tun“, zieht er Parallelen. Die sieht er auch in seinem jetzigen Beruf und der Landwirtschaft: „Beide sind auf Langfristigkeit ausgelegt und vieles liegt nicht in der eigenen Hand. So gut es geht, trägt man seinen Teil dazu bei, dass andere Lebewesen gut gedeihen können.“ Auch andere Überschneidungen sind da, wie er lachend anmerkt: „Die langen Arbeitszeiten.“

Dass er in Großbritannien letztlich die richtige Entscheidung getroffen hat, hat er im Vikariat gemerkt. „Es ist der richtige Ort für mich“, sagt Nack. Und „auf der Walz“ war er in gewisser Weise auch, Stationen während seines Studiums waren Krelingen, Leipzig, Heidelberg und Göttingen. Dennoch fühlt er sich im Ländlichen zu Hause, freut sich auf den Beekeort, in den er mit seiner Frau und den drei Töchtern zieht. „Ich mag die Gemeinschaft, auch unabhängig von der Kirche. Man kennt sich hier untereinander, Städte sind anonymer.“

Nack ist ein ruhiger Mensch, denkt über seine Worte nach – auch, wenn er Lebensweisheiten in seinen Predigten mit auf den Weg gibt. „Das ist etwas, das ich erstmal mit mir selbst ausmache. Es gibt den Bibeltext als Grundinspiration, aber dann kann es in viele Richtungen gehen. Da sind eigene Gedanken gefragt.“ Er sieht darin einen kreativen Prozess. „Es ist eine Art Kunst. Im besten Fall schafft man ein eigenes Kunstwerk. Der Bibeltext ist das erste Bild, was zu einem spricht, dazu entwickelt man etwas eigenes.“ Bei der Frage, ob er hofft, in Kirchwalsede ein bisschen Kunst hinterlassen zu haben, muss er lächeln. „Für mich stehen die Menschen im Vordergrund, die Kontakte, die ich geknüpft habe.“

Nack hängt an Kerndingen der christlichen Kirche, möchte aber die Balance zwischen Tradition und Moderne halten – und wählt gerne eine moderne Sprache. „Es sollte ein klarer Blick auf den zentralen Inhalten liegen, dann aber in die Weite gehen, offen sein.“ Kirche sei zunächst etwas Traditionelles, wo zwei Welten aufeinandertreffen. „Das zusammenzukriegen, ist eine der wichtigen Aufgaben der Kirche. Aber auch für jeden selber, die eigenen Traditionen mit der modernen Welt zu verbinden.“

Da er ebenfalls Plattdeutsch spricht, kann er sich darin Gottesdienste vorstellen. „Aber ich finde es gut, wenn es dafür ein Format gibt – denn letztlich versteht es nicht jeder und wer in einen Gottesdienst geht, sollte die Chance haben, alles zu verstehen.“

Um jüngere Leute zu begeistern, geht er mitunter ungewöhnliche Wege, so hat Nack im Rahmen eines Projektes eine Diskussionsrunde zum US-Serienhit „Game of Thrones“ gemacht. „Das Christentum hat immer etwas mit der Kultur drumherum zu tun. Was in Filmen, Serien und Musik passiert, kann gut mit dem Glauben ins Gespräch gebracht werden“, sagt der 33-Jährige. „Ich bin kein Digitaljunkie, aber offen dafür.“

Dabei sieht er gar nicht mal die Jugendlichen als schwer zu begeisternde Gruppe, sondern die Mittzwanziger bis -dreißiger. „Die schwierigste Gruppe ist meine Generation, sie sehen am wenigsten Relevanz. Erst wenn Kinder kommen, finden viele wieder den Anschluss zur Kirche.“

In Scheeßel gehört zu seinen Aufgaben auch der Konfirmandenunterricht. „Das ist eine größere Aufgabe als bisher, durch den wöchentlichen Unterricht“, erklärt er. Gut vorbereitet darauf ist er: Zum Vikariat gehören zwei Monate Praxiserfahrung als Religionslehrkraft an einer Schule.

Über seine Zeit in Kirchwalsede zieht der Jung-Pastor ein positives Fazit. „In manche Ausbildungen wird man hineingeworfen und weiß gar nicht genau, was das alles soll. Im Vikariat kam eins nach dem anderen, und immer viel Neues. Es war eine tolle Gemeinde, sehr offen und neugierig.“

Wünschen würde er sich, dass die Leute wieder mehr auf die Pastoren zukommen. Für ihn ist eine offene Kirche, wie es in Scheeßel seit ein paar Monaten der Fall ist, mehr als nur die offene Kirchentür. „Es wird selten genutzt, den Pastor zum Beispiel anzurufen, wenn einem etwas auf der Seele liegt. Das gibt es noch, aber die Gespräche finden meist bei Hausbesuchen statt.“

Mit seinem Pfarrberuf kommt Nack nun erstmal an einem Ziel an. „Es kann sich noch anderes ergeben, aber jetzt ist für eine lange Zeit erst einmal ein Abschluss gefunden“, sagt er. Womit er noch lange nicht abschließt, ist sein Hobby American Football – auch, wenn er durch Beruf und Familie nur noch selten dazu kommt, zu spiele. Ist es für ihn ein Ausgleich zum Alltag? „Es ist eigentlich gar nicht so anders, ich kann da ja nicht die rohe Gewalt rauslassen. Es gibt viele Ähnlichkeiten: Football lebt stark von der Gemeinschaft, es ist extrem, wie eine Mannschaft zusammenhalten muss. Und man sollte es mit Leidenschaft machen.“ Als er mit 14 Jahren seine eigene Leidenschaft durch ein Computerspiel entdeckte, war die Sportart hierzulande noch unbekannter. „Ich fand das faszinierend, hab mir einen Football gekauft und mit Freunden hin- und hergeworfen.“ Bald darauf war er der Zevener Jugendmannschaft beigetreten. Für ihn ist der Tag seiner Ordination zudem ein Tag doppelter Freude: An dem Sonntag ist das US-Meisterschaftsfinale Super Bowl – und diesen zu gucken, hat er in den letzten 16 Jahren nicht einmal verpasst.

Autor

Ann-Christin Beims Ann-Christin Beims
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