Gespräch mit Grindel und Eichinger in Rotenburg geführt - Von Andrea Zachrau

Hebammen vor dem Aus?

28.02.2014
   Bundestagsabgeordneter Reinhard Grindel (links) und Rotenburgs Bürgermeister Detlef Eichinger versprachen Hilfe für die freiberuflich arbeitenden Hebammen des Landkreises Rotenburg   Foto: Zachrau
Bundestagsabgeordneter Reinhard Grindel (links) und Rotenburgs Bürgermeister Detlef Eichinger versprachen Hilfe für die freiberuflich arbeitenden Hebammen des Landkreises Rotenburg Foto: Zachrau
 ©Rotenburger Rundschau

Den freiberuflich tätigen Hebammen droht ein Arbeitsverbot: Ab Juli 2015 gibt es keine Haftpflichtversicherung mehr für sie. Allein im Landkreis Rotenburg sind 44 Frauen betroffen, die jetzt das Gespräch mit Rotenburgs Bürgermeister Detlef Eichinger und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel suchten.

„Schon jetzt ist unser Einkommen sehr überschaubar“, berichtete Antje Jäger, die gemeinsam mit sechs Kolleginnen eine Hebammen-Praxis in Rotenburg betreibt und gemeinsam mit anderen freiberuflich tätigen Hebammen aus dem gesamten Landkreis sowie dem angrenzenden Heidekreis zum Gespräch ins Rathaus gekommen war. Wenn die aktuell noch von der Nürnberger Versicherung angebotene Haftpflicht wegfalle, sei die Situation für die Hebammen jedoch dramatisch. „Wird keine andere Lösung gefunden, ist unser gesamter Berufsstand bedroht.“ Das bedeute auch, dass Geburtshäuser schließen und Hausgeburten unmöglich würden, ganz zu schweigen von individueller Einzelbetreuung schwangerer Frauen oder Mütter nach der Geburt. Dann seien die Krankenhäuser der einzige Anlaufpunkt. Die Folgen seien nicht auszudenken, wie die Hebammen betonten. Die so wichtige Nachbetreuung falle weg, was zur Folge habe, dass noch weniger Mütter ihre Kinder selbst stillten. Gerade das sei aber so wichtig für einen gesunden Start ins Leben. Gleiches gelte für die weiterführende Ernährung, bei der die freien Hebammen ebenfalls beratend zur Seite stehen. „Die Mehrkosten, die dadurch aufs Gesundheitswesen zukommen, bedenkt im Moment noch keiner“, mutmaßte eine der anwesenden Frauen. Der Erhalt des Berufs sei daher eine Investition in die Zukunft. Die Hebammen fordern eine grundlegende Neustrukturierung der Haftpflichtversicherung. Eine mögliche Lösung ist laut Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands ein Regressverzicht seitens der Sozialversicherungsträger, um die Versorgung der Schwangeren und Gebärenden und ihrer Familien mit Hebammenhilfe weiterhin sicherzustellen. Dass der Berufsstand über zu geringe Einnahmen klagt, ist nicht neu. 2011 gingen deutschlandweit Hebammen auf die Straße, um für bessere Berufsbedingungen zu protestieren – schon damals drohte ein Versorgungsmangel, da immer mehr Frauen ihren Beruf aufgrund der schlechten Bezahlung niederlegten. „Ich übe meinen Beruf seit 32 Jahren aus. Seitdem bekomme ich nach wie vor das gleiche Kilometergeld“, nannte Jäger ein Beispiel. Eine ihrer Kolleginnen berichtete, dass sie, würde sie ihren Job an den Nagel hängen und Arbeitslosengeld bekommen, finanziell nicht schlechter dastünde. „Da fragt man sich schon, ob man seine Zeit nicht doch lieber mit seinem eigenen kleinen Kind verbringt, obwohl ich meinen Job liebe“, sagte sie. Grindel berichtete zwar, dass auf Bundesebene bereits eine Arbeitsgruppe gegründet sei und sich Gesundheitsminister Hermann Gröhe mit Vertreterinnen der Bundesverbände getroffen habe, konnte den Frauen aber vorerst wenig Hoffnung machen. „Eigentlich ist das nicht Aufgabe der Politik, darum müsste sich die Kassenärztliche Vereinigung kümmern“, sagte er. Die sieht sich allerdings ebenso wenig in der Pflicht wie aktuell noch die Bundesregierung. „Wir müssen schauen, bis wohin die Versicherungen bereit sind, mitzugehen und welche Kosten auf den Bundeshaushalt zukämen.“ Um das Thema weiter zu erörtern, versprach Grindel, im Mai zu einem erneuten Gespräch zu laden, für das Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, nach Rotenburg komme. „Dort werden wir sicher gemeinsam zu neuen Ergebnissen kommen.“ Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil hatte in der vergangenen Woche bereits seine Unterstützung zugesichert: „Die Situation hat sich immer weiter verschärft. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem politisch eingegriffen werden muss. Die Arbeit der Hebammen in der Geburtshilfe und der Vor- und Nachsorge ist gerade hier im ländlichen Raum unersetzlich. Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung.“. Der 35-Jährige hatte jetzt dazu das Gespräch mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach gesucht. Inzwischen hat auch Gesundheitsminister Gröhe angekündigt, dass es zum Sommer zu einer kurzfristigen Lösung kommen solle. Details seien allerdings noch offen. „Ich werde in den kommenden Wochen mit darauf achten, dass die Zusagen eingehalten werden. Die Zeit drängt“, versprach Klingbeil.

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Kultursommer "Leuchtfeuer" - Samstag
Fotos: Sebastian Döring / Maria-Theresia Schiroky

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20.08.2016

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