Exxon und Co wollen messen – und viele Daten für sich behalten - VON ROLAND MEYER

Das Gas und das Beben

04.09.2007
In Hamwiede bei Walsrode stellten Vertreter der Gasindustrie und der ausführenden Firma aus Thüringen die Seismometer vor, die zurzeit installiert werden. Im Bild (von links): Norbert Stahlhut (Exxon), Dr. Michael Jordan (K-Utec), Burkhard Grundmeier (WEG) und Dr. Holger Thoma (K-Utec)  Foto: R.Meyer
In Hamwiede bei Walsrode stellten Vertreter der Gasindustrie und der ausführenden Firma aus Thüringen die Seismometer vor, die zurzeit installiert werden. Im Bild (von links): Norbert Stahlhut (Exxon), Dr. Michael Jordan (K-Utec), Burkhard Grundmeier (WEG) und Dr. Holger Thoma (K-Utec) Foto: R.Meyer
 ©Rotenburger Rundschau

Ist das Rotenburger Erdbeben von 2004 doch eine Folge der intensiven Erdgasförderung in der Region? Zu diesem Schluss jedenfalls kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie, die der Hamburger Geophysiker Torsten Dahm mit Seismologen von vier weiteren Forschungsinstituten verfasst hat. Die Energiekonzerne gehen zwar weiter von einer natürlichen Ursache aus, nehmen die Diskussion aber zum Anlass, ein Netz aus Seismometern zu installieren. So sollen genauere Erkenntnisse gewonnen werden. Weniger schön: Den größten Teil der Daten wollen die Konzerne für sich behalten.

Zwischen Bremen und Celle werden jährlich fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Es lagert in winzig kleinen miteinander verbundenen Poren in einer Schicht aus rotem Sandstein. Tiefe: fünf Kilometer. Dort herrscht ein Druck von 500 bar. Wenn das Gas durch Leitungen nach oben entweichen kann, nimmt er ab. Dadurch entstehen Spannungen. Werden sie zu groß, verschieben sich Gesteine gegeneinander. Etwa in Frankreich, Italien, Kalifornien und Usbekistan soll es bereits heftige durch Gasförderung verursachte Beben gegeben haben. In Holland kam es immerhin zu Erdbewegungen, die Risse in Häusern verursachten. Allerdings wird dort viel mehr Gas gefördert als hier. Wer die Ursache für ein Beben ermitteln will, muss dessen Tiefe kennen. Problem: Für Rotenburg 2004 war die Datenlage dünn – weil in Norddeutschland nicht mit Beben gerechnet wurde, gab es auch keine Messstellen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die dem eng mit der Industrie zusammenarbeitenden Wirtschaftsministerium untersteht, zog 2004 zusätzlich Befragungen von Zeugen des Bebens zu Rate, und ermittelte damals eine Tiefe von etwa elf Kilometern. Damit war die Erdgasförderung zunächst ausgeschlossen. Dahm und seine Kollegen werteten dann jedoch Rotenburger Druckwellen aus, die damals in Kanada aufgezeichnet wurden – die eine lief direkt durch die Erde, die andere reflektierte an der Erdoberfläche und legte also einen weiteren Weg zurück. Aus dem zeitlichen Unterschied errechneten die Forscher eine Tiefe von fünf bis sieben Kilometern. Demnach hätte das Beben sich direkt unter dem Gaslager ereignet. "Auch dass es kaum Nachbeben gegeben hat, weist darauf hin, dass nicht natürliche tektonische Spannungen die Ursache gewesen sind“, sagt der Wissenschaftler. Vertreten durch die WEG, den Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasförderung, installieren die vier in der Region tätigen Gaskonzerne Exxon-Mobil, Gaz de France, RWE/Dea und Wintershall jetzt auf eigene Initiative ein "seismisches Überwachungssystem zur bergschadenkundlichen Beweissicherung im Bereich von Erdgaslagerstätten“. Der Name legt den Verdacht nahe, dass man die Ursache eventueller neuer Beben ermitteln will, um bei etwaigen Schäden etwa an Häusern keinen Schadenersatz leisten zu müssen – falls die Gasförderung nichts damit zu tun hat. Andernfalls wäre man freilich dran. Burkhard Grundmeier von der WEG: "Wir nehmen unsere Eigenverantwortung wahr.“ An fünf Standorten bei Förderanlagen zwischen Bötersen im Westen und Unterlüss (bei Uelzen) im Osten werden Seismometer aufgestellt, an zweien davon so genannte Arrays. Das sind quasi seismische Richtantennen, die die Genauigkeit des Netzes erhönen und Störungen minimieren. Der Betrieb soll im Oktober aufgenommen werden. Ausführende und auswertende Firma ist das Unternehmen K-Utec aus Thüringen. Erdbeben lösen in der Hauptsache zwei verschiedene Wellen aus. Und zwar gleichzeitig. Bei den einen – den schnellen – schwingen die Erdteilchen in Richtung der Ausbreitungsrichtung, vergleichbar dem Schall. Bei den langsamen bewegen sich die Partikel quer zur Fortpflanzung der Welle, ähnlich wie auf dem Wasser. Weil man die Geschwindigkeiten der beiden Wellen kennt, kann der Computer aus ihrem zeitlichen Abstand auf die Entfernung des Mittelpunkts des Bebens schließen. Und werden diese Aufzeichnungen und Berechnungen für mindestens drei Standorte gemacht, lässt sich das Zentrum lokalisieren. Das Beben in Rotenburg wurde mit der Stärke 4,5 auf der Richterskala angegeben. Diese Skala ist nicht liniear, sondern zehner-logarythmisch: Bei einem Beben der Stärke vier bewegt sich die Erde zehnmal so stark wie bei Stärke drei und hundertmal so stark wie bei Stärke zwei. Laut Projektleiter Dr. Michael Jordan von der Firma K-Utec zeichnet das neue Netz bereits Beben der Stärke null auf, also mehr als tausendfach schwächere als das von 2004. Vom Menschen wahrgenommen werden Erdbewegungen etwa ab der Magnitude drei. Und nur solche Beben wollen die Gaskonzerne auch an das Bergamt als Aufsichtsbehörde melden. Und weitergeleitet werden nicht etwa die Rohdaten, auf deren Grundlage andere Wissenschaftler selbst rechnen und prüfen könnten, sondern lediglich Auswertungen. "Das Bergamt ist nur daran interessiert. Wenn Zweifel entstehen, werden wir die Daten jedoch zur Verfügung stellen“, sagt WEG-Mann Grundmeier. Wie nützlich ist das neue System für die Erdbebenforschung? Professor Dahm aus Hamburg wäre natürlich an Rohdaten gelegen. Und zweitens hält er für problematisch, dass nur größere Beben bekannt gegeben werden. "Um vorhersagen zu können, wie wahrscheinlich neue Beben sind, wären gerade die kleineren Erdbewegungen interessant“, sagt er. Denn durch deren Auswertung könne man ermitteln, in welchen Gebieten sich die Spannungen in der Erde stark und häufig ändern. Befänden sich dort auch noch alte Schwachstellen im geologischen Aufbau, würden größere Erdstöße wahrscheinlicher. In Bochum - dort drohen Beben durch den Abbau von Steinkohle – hat die Wirtschaft bereits vor vielen Jahren für eigene Zwecke ein seismisches Netz installiert. Nicht zuletzt aus Kostengründen wurden allerdings nur Stöße ab Stärke zwei ausgewertet und gemeldet. Weil das vielen Wissenschaftlern zu wenig war und weil unabhängige Einrichtungen mehr Vertrauen genießen, baute die Uni irgendwann ein eigenes System auf – mit Unterstützung der Wirtschaft.

30.09.2016

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27.09.2016

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