Leserbrief

Dieser Zug ist längst abgefahren...

06.08.2010

Zu: "Es gibt doch den Zweiten Bildungsweg“ (Leserbrief von Michaela Holsten, Rundschau vom 4. August)

Liebe Frau Holsten, Sie schreiben in Ihrem Leserbrief, dass die Mehrheit der Hamburger das dreigliedrige Schulsystem wünscht, dies hätte der Volksentscheid gezeigt. Ich muss Sie leider korrigieren: Das dreigliedrige Schulsystem gibt es in Hamburg nicht mehr! Beim Volksentscheid ging es um die Frage, ob die Schüler vier oder sechs Jahre gemeinsam lernen, bevor sie weiterführende Schulen besuchen. Das dreigliedrige Schulsystem wurde von den Hamburger Eltern de facto schon vor langer Zeit abgewählt – die Anmeldezahlen an den Gesamtschulen belegen dieses. Im vergangenen Jahr meldeten nur noch zwölf Prozent aller Eltern ihr Kind an einer Haupt- und Realschule an. 36 Prozent wählten eine Gesamtschule (IGS: 31,7 Prozent und KGS: 4,3 Prozent) für ihr Kind. Etwas mehr als die Hälfte schickt sein Kind auf das Gymnasium – wo dann im Laufe der folgenden Jahre sehr viele Kinder scheitern und dann als Seiteneinsteiger an die Gesamtschule weitergereicht werden. Im Rahmen der Hamburger Schulreform werden die Haupt- und Realschulen und die Gesamtschulen zu Stadtteilschulen. Das Konzept dieser Schulen orientiert sich stark an den Gesamtschulen, so dass sich an der Schule, an der ich arbeite, inhaltlich nicht viel ändern wird. Wie die meisten aller Pädagogen in Hamburg bedauere ich sehr, dass die sechsjährige Primarschule gestoppt wurde. Zufällig las ich heute ein Interview mit dem Sozialforscher Marcel Helbig. Er brachte die Antwort, warum zwei Jahre längeres gemeinsames Lernen in Hamburg gescheitert sind, auf den Punkt: "Die bildungsnahen Schichten haben einen Anreiz, das aktuelle Schulsystem aufrechtzuerhalten. Denn so bekommen sie keine Konkurrenz...“ Außerdem würden diese Schichten besser wissen, wie man politischen Widerstand organisieren kann. Alle (!) in der Hamburger Bürgerschaft vertretenen Parteien haben sich zu der Primarschule bekannt. Eine repräsentative Umfrage ergab jüngst, dass die Mehrheit der Deutschen (über 60Prozent) für ein längeres gemeinsames Lernen ist. Frau Holsten, Sie orientieren sich in Ihrem Leserbrief am "american way of life“. Jeder könne in diesem Land gute Noten erreichen, wenn er sich nur anstrenge. Und die Berechtigung zum Studieren könne man doch auch prima auf dem Zweiten Bildungsweg erreichen. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass dies ein sehr mühsamer Weg ist. Und ich erlebe täglich in meiner Arbeit mit sozial benachteiligten Schülern aus nicht bildungsorientierten Familien, dass uns unglaublich viele Talente verloren gehen. Sich nur auf einer Schule wohlzufühlen, wie Sie schreiben, reicht leider nicht. Ich habe Verständnis für Eltern, die befürchten, die schwächeren Kinder würden ihr Kind beim Lernen bremsen. Studien beweisen aber das Gegenteil: Auch die stärkeren Schüler profitieren in ihrer Entwicklung durch ein längeres gemeinsames Lernen. Indem zum Beispiel stärkere Schüler den anderen Schülern helfen und den Stoff selbst erklären, lernen auch sie umso intensiver. Die Bedeutung der Teamkompetenz wird im Arbeitsleben immer größer, jeder Personalchef wird dies bestätigen. Ihr Leserbrief endet mit dem Hinweis, dass auch die Gesamtschulen in getrennten Kursen beschulen. Ich habe, ehrlich gesagt, wenig Ahnung von der Differenzierung in niedersächsischen Gesamtschulen. In Hamburg beginnt die äußere Differenzierung (die Sache mit den getrennten Kursen) erst spät. Nach und nach werden die Schüler, und meistens nur in den Hauptfächern, nach Leistungsvermögen in Kurse aufgeteilt. Die Durchlässigkeit ist gewährleistet, die Schüler werden bei entsprechenden Leistungen aufgekurst. Dies hat den Vorteil, wie Herr Krause es treffend in seinem Leserbrief (Rundschau, 1. August) bereits beschriebenen hat, dass Kinder, "die in ihrer Entwicklung etwas mehr Zeit brauchen oder die durch äußere Umstände Zeit verloren haben“, ihre Lücken aufarbeiten können, während sie in anderen Fächern eventuell auf Gymnasialniveau unterrichtet werden. So werden Wege offengehalten und Bildungschancen ermöglicht. Übrigens, die Sorge, ein Schüler könne gemobbt werden, weil er einen schlechteren Kurs besucht, kann ich Ihnen nehmen, Frau Holsten. Dies habe ich in 15 Jahren an einer Gesamtschule noch nicht erlebt. Eine Gesamtschule ist eine Schule für alle Kinder. Anstatt Vorurteile gegenüber Schülern anderer Schulformen oder Leistungsniveaus zu begünstigen, werden hier soziale Kompetenzen vermittelt und gefördert. Frau Holsten, dass Sie und Herr Rathjen uns eine grundsätzliche Diskussion über die Gesamtschule beziehungsweise längeres gemeinsames Lernen aufzwingen wollen, dabei aber so wenig Sachkenntnis beweisen, wundert mich doch sehr. Oder etwas einfacher ausgedrückt: Während alle anderen schon am Bahnhof Tickets kaufen, möchen Sie allen Ernstes diskutieren, ob wir die Eisenbahn überhaupt einführen wollen. Lars Petersen, Sittensen Leserbriefe stellen keine redaktionellen Meinungsäußerungen dar. Sie geben die persönlichen Ansichten ihrer Verfasser wieder. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen

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