Botheler bekräftigen Wunsch nach einer IGS - Von Stephan Voigt

Kampf geht weiter

20.04.2012
Die Botheler IGS-Initiative wird nach dem Fortschreiten der Rotenburger Pläne wieder aktiver. Jetzt diskutierte die örtliche Politik und eine Infoveranstaltung fand statt          Foto: Archiv
Die Botheler IGS-Initiative wird nach dem Fortschreiten der Rotenburger Pläne wieder aktiver. Jetzt diskutierte die örtliche Politik und eine Infoveranstaltung fand statt Foto: Archiv
 ©Rotenburger Rundschau

"Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit der IGS, leider nicht mit dem Ergebnis, das wir zumindest in Bothel wünschen“, erklärte Bothels Schulausschussvorsitzender Ludger Brinker zu Beginn der Diskussion um die Gesamtschulpläne im Fachausschuss und im direkt anschließenden Samtgemeinderat. Die Politiker machten sich für eine erneute Elternbefragung stark.

Hintergrund des neuen Vorstoßes sei die Initiative aus Rotenburg. Dort votierte der Schulausschuss für die Einrichtung einer IGS in der Wümmestadt und für eine Elternbefragung im gesamten Südkreis. "Nachdem die Rotenburger ihren IGS-Beschluss nun nochmals bekräftigten, finde ich, sollten wir das auch machen“, konstatierte Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Woltmann. Er habe, so Woltmann, vielfältigen Kontakt mit dem Ersten Kreisrat Dr. Torsten Lühring: "Ich habe ihm mitgeteilt, dass sich auch nach der Kommunalwahl der Botheler Wunsch nach einer IGS nicht geändert hat.“ Er erklärte, er werde dies auch schriftlich in einer Stellungnahme übermitteln und machte auf die Schulausschusssitzung des Landkreises am Donnerstag, 3. Mai, aufmerksam: "Wer möchte, kann daran teilnehmen und so an das Botheler Interesse an einer IGS erinnern.“ Auf Nachfrage der Grünen-Politikerin Birgit Brennecke, ob jemand die Botheler Interessen in der Fachausschusssitzung vertreten werde, erwiderte Woltmann, er werde der Sitzung beiwohnen. Barbara Frömming (SPD) gab den Hinweis, dass der Kreistagsbeschluss noch Gültigkeit habe, dass Mittelzentren keine Gesamtschule erhalten sollen. Darauf solle Woltmann in seinem Schreiben an die Landkreis-Verwaltung hinweisen. Sowohl Dirk Eberle (SPD), als auch Dr. Gabriele Hornhardt (CDU) äußerten die Sorge, dass die einzelnen Südkreis-Kommunen in Sachen IGS gegeneinander ausgespielt werden. "Wir sollten unseren politischen Willen massiv bekunden. Dazu sollte uns kein Weg zu weit sein. Ich werde daher versuchen, Kontakt mit dem Kultusministerium aufzunehmen“, so Hornhardt. Dem stimmte auch Frömming zu, die es bedauerte, dass Schüler "zur Zockermasse“ gemacht würden. Mit Blick auf den Rotenburger Vorstoß sagte sie: "Ich verstehe, dass die ihre Stadt attraktiv halten wollen. Was mich erschreckt ist, dass deren IGS an zwei Standorten, an der Theodor-Heuss-Schule und an der Realschule, stattfinden soll. Und danach müssen die Schüler dann zum Gymnasium oder an die BBS gehen. Das widerspricht dem IGS-Gedanken.“ Hornhardt erklärte mehrfach, sie nehme die zahlreichen Wortbeiträge pro IGS in Bothel als Mandat, im Kreistag und den Fachausschüssen des Landkreises für die Pläne der Samtgemeinde zu werben und sich für deren Erreichen einzusetzen. "Das gilt auch für Rolf Lüdemann“, fügte Hornhardt mit Blick auf den CDU-Bürgermeister aus Brockel hinzu, der ebenfalls auf Kreisebene politisch aktiv ist. Die Ratsmitglieder votierten am Ende einstimmig für eine Elternbefragung im gesamten Südkreis, bei der auch Bothel als möglicher Standort einer integrativen Gesamtschule abgefragt wird. An der Wahl, die nach den Sommerferien stattfinden soll, sollen Eltern von Kindern im letzten Kindergartenjahr und von Schülern der ersten vier Klassen teilnehmen dürfen. Annegret Kregel (CDU) sagte: "Ich hoffe, dass die Elternbefragung gut für Bothel ausgeht. Wir haben viele Vorteile zu bieten.“ Welche das sind, führte sie allerdings nicht näher aus. Zur neuerlichen Informationsveranstaltung mit Vertretern der IGS Winsen/Luhe kamen laut Woltmann zwischen 60 und 70 interessierte Bürger. "Damit bin ich nicht ganz zufrieden, obwohl ich den Vergleich mit der Veranstaltung von vor einigen Jahren nicht ziehen darf. Um das Thema nochmals in Erinnerung zu rufen, war das aber gut. Die Ausführungen der Referenten über Ideen und Konzepte für eine IGS waren hochinteressant“, so der Samtgemeindebürgermeister. _________________________________________ Kommentar von Wibke Woyke Pro Rotenburg Der einst gefasste Kreistagsbeschluss, keine Gesamtschulen in Mittelzentren einzurichten, ist nur eins: Unsinn. Ein umfassendes Bildungsangebot war und ist im Wettbewerb der kommunalen Standorte ein wichtiges Entscheidungskriterium für (werdende) Eltern, sich in Rotenburg niederzulassen. Der Elternwille geht weg von der Hauptschule. Verstärkt sich der Trend, blutet die Schule eines Tages aus. Dass auch vor diesem Hintergrund die zukunftsträchtige IGS ausgerechnet in der verkehrstechnisch gut angebundenen Kreisstadt nicht angeboten werden soll, ist unverständlich. Soll allen Ernstes der Schülerstrom von der Stadt in die Peripherie führen? Verkehrte Welt! Und die finanzielle Vernunft sagt: Die baulichen Voraussetzungen sind insbesondere in der THS mit nagelneuer Mensa tipptopp. Sind zwei Gebäude ein Nachteil? Nein: Die Räume der THS wären für die unteren Jahrgänge bestimmt, die der Realschule für die oberen - zwei Einheiten, überschaubare Schülermengen, hoher Wohlfühlwert. Alle Rotenburger Fraktionen tun gut daran, sich für die erweiterte Elternbefragung auszusprechen. Und auch im Kreistag sind die Stadtratsmitlieder gefragt, pro Wümmestadt zu argumentieren - denn genau deren Bürgern sind sie verpflichtet. Wer in beiden Gremien sitzt und in dieser Sache nicht in der Lage ist, kreisweit die eigene Kommune mit allen Mitteln zu verteidigen und ihre pädagogische Chance zu wahren, ist zumindest an einer Stelle fehl am Platz. _________________________________________ Kommentar von Stephan Voigt: Pro Bothel Nach jahrelanger Diskussion kristallisieren sich zwei potenzielle IGS-Standorte im Südkreis heraus – Bothel und Rotenburg. Die Debatte ist mehr als die um einen Schulstandort. Die Politiker müssen sich fragen, ob sie in Zukunft Städte oder den ländlichen Raum als Wohnstandort stärken wollen. Außerdem spricht, wenn eine IGS im Südkreis eingerichtet werden soll, die geografische Lage Bothels für eben diese Kommune. Sie ist von den umliegenden Gemeinden schneller zu erreichen als die Kreisstadt. Im Falle eines so wünschenswerten Konsenses für einen Gesamtschulstandort müsste dieser sich also in Bothel befinden. Das dortige Konzept mit einer IGS in einem Gebäude – nämlich dem der Wiedau-Schule – entspricht zudem dem IGS-Gedanken mehr, als der Rotenburger Plan, der Unterricht in der Theodor-Heuss-Schule und der Realschule vorsieht. Eltern und Politiker in Bothel kämpfen bereits am längsten und am intensivsten für eine Gesamtschule. Seit 2008 gibt es dort einen einstimmigen Samtgemeinderatsbeschluss, während die Rotenburger immer noch um die Art der neuerlichen Elternbefragung diskutieren. Die niedersachsenweite Spitzenposition beim Volksbegehren für gute Schulen beweist eindrucksvoll das große Engagement für eine IGS in Bothel. 35 Prozent aller Wahlberechtigten unterschrieben dort für niedrigere Hürden zur Einrichtung einer IGS. In Rotenburg war das Interesse deutlich geringer. _________________________________________ Kommentar von Thomas Hartmann: Pro IGS Da stehen sie sich gegenüber: die Botheler auf dem Lande und die Rotenburger in der Kreisstadt. Und warum werden da Gräben ausgehoben? Weil sie das Gleiche wollen: eine IGS in ihrem Verantwortungsbereich. Die Argumente auf beiden Seiten sind nicht von der Hand zu weisen. Und so wollen die Rotenburger in Bothel Schüler fischen gehen, die Botheler in Rotenburg. Wer die Netze auswirft, geht doch wohl davon aus, dass auch ein entsprechender Fang zu machen ist. Und warum glauben das beide Seiten? Doch wohl, weil sie davon überzeugt sind, dass es reichlich Eltern gibt, die ihre Kinder lieber an eine Gesamtschule schicken möchten, als in das dreigliedrige Schulsystem. Und warum darf dann diese doch offensichtlich von Eltern gewünschte und der Stärkung der Kommunen so dienliche Schulform nicht an beiden Standorten eingerichtet werden? Warum wird in Kauf genommen, dass sich zwei benachbarte Kommunen im ländlichen Raum Konkurrenz machen, statt an einem Strang zu ziehen? Weil sich die Landesregierung in Hannover nicht traut, ihre einmal getroffene Grundsatzentscheidung für das dreigliedrige Schulsystem zu überdenken. Und so stehen sie festgemauert in der Erden – die Hürden, die zur Einrichtung einer IGS überwunden werden müssen. Das neue konservativ-liberale Modell der Oberschule wird als Erfolgsrezept verkauft. Dabei erkennt jeder schnell: Das ist vom Prinzip eine Gesamtschule – sie heißt nur nicht so.

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Fotos: Janila Dierks

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23.09.2016

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