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Eine Schneise der Zerstörung

Bötersen räumt auf: 220 Bäume fielen dem Tornado zum Opfer - Von Andrea Zachrau

Foto zum Artikel: Eine Schneise der Zerstörung
Bötersens Bürgermeister Manfred Wernecke und Ortsbrandmeister Harald Blödorn-Hoops begutachten eine Buche, die direkt neben dem Schützenhaus entwurzelt wurde. Foto: Zachrau
13.08.2008 15:00:00
Bötersen. 
Acht Minuten dauerte das Unwetter. Es donnerte und grollte, blitzte und krachte, wie es die Bötersener noch nie erlebt hatten. Erst als sie sich wieder vor die Haustüren wagten, sahen sie das Ausmaß der Zerstörung: Ein Tornado, der mit einer Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern über den kleinen Ort der Samtgemeinde Sottrum gefegt war, hatte eine Schneise der Zerstörung hinterlassen.


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"Es war kurz nach sechs, da kam der Sturm“, erinnert sich Bürgermeister Manfred Wernecke. "Ich war gerade in unserem Wintergarten und hatte keine Chance, nach draußen zu kommen.“ Der Druck auf die Tür war so groß, dass sie sich auch unter größten Kraftanstrengungen nicht öffnen ließ. Als Wernecke schließlich auf seine Bahnhofstraße trat, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. "Die ganze Straße war übersät mit Bäumen. Es gab kein Durchkommen mehr“, sagt er.

Nicht nur den Bereich beim Bötersener Bahnhof hatte es böse erwischt. Im gesamten Ort leistete die Windhose ganze Arbeit. Ob bei Hoops‘ Gasthof, im Jeerhofer Weg, oder in der Kreisstraße: Ganze Baumstämme und dicke Äste versperrten die Durchfahrt. Für wenige Stunden war Bötersen von der Außenwelt abgeschnitten.

28 Feuerwehrleute waren sofort im Einsatz. Noch auf dem Weg zum Feuerwehrhaus wurde das Auto eines Brandschützers von einem umstürzenden Baum getroffen – wie durch ein Wunder erwischte die Eiche nur das Heck des Fahrzeuges; der freiwillige Helfer kam mit dem Schrecken davon.

"Es ist ein unglaubliches Glück, dass niemand verletzt wurde“, sagt Bürgermeister Wernecke, als er einen der Plätze besucht, die es am schlimmsten erwischte: Den Hof der Gastwirtsfamilie Hoops direkt in der Ortsmitte. Allein 22 Bäume waren hier wie Strohhalme umgeknickt. Drei davon landeten auf dem Dach der großen Scheune, in der Jahr für Jahr das Schützenfest begangen wird. "Es sind keine größeren Schäden entstanden“, zeigt sich Inhaber Harald Blödorn-Hoops, der gleichzeitig Bötersens Ortsbrandmeister ist, erleichtert. Auch das Schützenhaus, das unmittelbar neben den herabstürzenden Bäumen steht, blieb unversehrt. Nur wenige Zentimeter von der Hauswand wurde eine riesige Buche entwurzelt, deren Stamm so dick ist, dass ihn zwei Männer nicht umfassen könnten.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Wernecke kopfschüttelnd. Und dabei sei es noch eine Windhose der schwächeren Sorte gewesen, die seinen Ort heimgesucht hatte.

Besonders schlimm hat es zwei Wohnhäuser im Jeerhofer Weg in Bötersen und an der Kreisstraße in Höperhöfen erwischt. Dort zerstörten herabfallende Bäume die Dächer. Insgesamt wurden fünf Häuser und drei Pkw beschädigt. Aber auch Carports und Schuppen wurden von tonnenschweren Eichen und Linden begraben. Auch die Bahnstrecke Richtung Mulmshorn wurde von den Brandschützern noch in der Nacht nach dem Sturm geräumt.

Freiwillige Helfer, die sich spontan bereit erklärten, den Feuerwehrleuten bei den Aufräumarbeiten unter die Arme zu greifen, fanden sich schnell zusammen. Bis 1 Uhr nachts waren rund 90 Mann in drei Trupps im Ort unterwegs und sicherten die Durchfahrtsstraßen. "Man muss den Bötersenern wirklich ein großes Lob aussprechen“, betont Wernecke. "Nur durch ihren Einsatz konnten wir schnell Herr der Lage werden.“

Auch wenn viele Bäume noch standen: Unzählige drohten umzustürzen, zahlreiche Baumkronen waren ausgebrochen und hingen bedrohlich in den Ästen. "Den ganzen Samstag arbeiteten wir mit einem Kran und der Drehleiter der Rotenburger Feuerwehr, die uns dankenswerterweise zu Hilfe kam“, berichtet der Bürgermeister. 220 Bäume waren allein in Bötersen entwurzelt worden oder mussten nachträglich gefällt werden.

Obwohl die Motorsägen schon seit sechs Tage nicht mehr stillstehen: Es wird noch Wochen dauern, bis alle Sturmschäden beseitigt sind. Noch immer ist Manfred Wernecke dabei, alles mit seiner Digitalkamera zu dokumentieren. "Die meisten Bäume waren in Gemeindebesitz und müssen der Versicherung gemeldet werden“, erklärt er. Mehr als 700 Fotos habe er bereits gemacht. Das, obwohl er noch gar nicht zu den Wirtschaftswegen vordringen konnte. Dort stehen ebenfalls noch umfangreiche Räumungsmaßnahmen an. "Glücklicherweise helfen uns die Landwirte beim Abtransport.“

Der Bürgermeister verspricht: "Wir werden neue Anpflanzungen vornehmen.“ Die Lücken, die der Tornado hinterlassen hat, werden die Bötersener aber noch lange an die Schreckensminuten im August 2008 erinnern. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG


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