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Spurensuche rund um Ringöfen, Tongruben und Lorenbahnen

AG Osteland sichtet Relikte aus der Zeit der Ziegeleien - Weitere Exkusionen geplant

11.05.2005 11:41:52
Landkreis Rotenburg. 
Die Arbeitsgemeinschaft Osteland nutzte den Internationalen Museumstag zu einer Premiere besonderer Art: In der historischen Ziegelei in Bevern startete die erste Exkursion aus der Veranstaltungsreihe "Unbekannte Oste - Expeditionen in die Nachbarschaft". Vorstandsmitglied Jochen Bölsche begrüßte 40 Teilnehmer aus vier Landkreisen zu einer ganztägigen Spurensuche rund um Ringöfen, Tongruben und Lorenbahnen entlang der Oste.


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Begleitet von sieben Ziegelei-Experten nahm die Gruppe per Pkw sowie mit dem Oste-Schiff Mocambo alte Ringöfen, aufgelassene Tongruben, verrostete Lorenbahnschienen und andere Relikte aus der großen Zeit der Ziegeleien an Elbe und Oste in Augenschein. Die von Curt Schuster (Hemmoor) vom Arbeitskreis Kultur/Natur der AG Osteland organisierte Tour machte deutlich, welche harte Arbeit in den Abermillionen von Ziegelsteinen steckt, die überall an den Ufern der Flüsse "aus Ton und Schweiß" gebacken wurden.

Der mustergültig restaurierte Ringofen in Bevern, ein im Wald verborgener ehemaliger "Presssaal" in Nindorf (Kreis Cuxhaven), eine Verladestelle am Osteufer bei Brobergen (Kreis Stade), ein heutiger An

gelsee in Lamstedt (Kreis Cuxhaven), ein "Lippscherhaus" (Wanderarbeiterhaus) in Oberndorf, eigentümliche Landabsenkungen bei Geversdorf - überall finden sich noch Spuren aus der Zeit der Ziegelkonjunktur, als Bauern gleichsam über Nacht zu Millionären wurden.

Über die Ruinen verlassener Ziegeleien informierte eine Ausstellung von Bildern des Fotokünstlers Mike Behrens (Hemmoor) in der Heimatstube von Oberndorf, wo vom Vorsitzenden des dortigen Heimatvereins, Ernst von See, zu erfahren war, dass um 1800 allein im Gebiet dieser Gemeinde 44 Ziegeleien existierten - auf fast jedem Bauernhof eine.

An Bord der Mocambo erläuterte der Heimatforscher und Elblotse Holger Kuhne (Geversdorf), wo überall am Flussufer einst der Boden "abgeziegelt" wurde und wo die Schienen von Pferdebahnen an Verladestellen endeten, an denen die gebrannten Ziegel auf "Steinewer" verladen wurden.

"Wie Pilze aus dem Boden" geschossen waren die Ziegeleien an der Oste, wie die Heimatforscherin und Publizistin Gisela Tiedemann-Wingst in Oberndorf vortrug, als nach dem Hamburger Brand 1842 massenhaft Material für den Wiederaufbau der Hansestadt benötigt wurde. Farbig und

detailliert berichtete die Regionalhistorikerin über die Arbeitsbedingungen in der einstmals bäuerlichen Steinbrennerei, die Ende der siebziger Jahre endgültig zum Erliegen kam, als der Kalksandstein den Ziegelstein weitgehend verdrängte.

Vom Niedergang der einstigen Geest-Tonwerke in Lamstedt-Nindorf hatten zuvor zwei Nachkommen der damaligen Eigentümertümerfamilien, der Hemmoorer Schulleiter Jürgen Witt und der Lamstedter Börde-Heimatpfleger und Museumsleiter Udo Theuerkauf, berichtet. Bei einem Imbiss am Lamstedter Ziegeleisee, der mittlerweile vom ASV Lamstedt in eine Angelsportanlage verwandelt worden ist, erzählte Theuerkauf auch aus eigener Erfahrung als Werkstudent über die harte Arbeit in der Lamstedter Tongrube.

In der Nähe der Prahmfähre von Brobergen, im Dreiländereck zwischen den Landkreisen Rotenburg, Stade und Cuxhaven, erinnern noch ein paar rostige Schienen im Ostedeich an den drei Kilometer langen Bahndamm, der einst die Ziegelverladestelle am Fluss mit der 1901 gegründeten und 1971 abgebrochenen Fabrik in Nindorf verband. Über die gewaltigen Ausmaße der früheren Fabrikanlagen geben nur noch ein paar ver

blichene Fotos Auskunft.

Ganz anders stellt sich die vor 30 Jahren stillgelegte, aber in ihrer alten Form komplett erhaltene und vorbildlich restaurierte Ziegelei Pape in Bevern dar. Dort wurden die Vertreter der AG Osteland vom Vorsitzenden des Fördervereins des Industriedenkmals, Bürgermeister Uwe Hildebrandt, und von Inhaber Günther Ropers durch die Anlagen geführt. "Nirgendwo sonst im Osteland lässt sich die Ziegeleigeschichte so kompakt und anschaulich erfahren wie in Bevern," urteilten die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft nach Abschluss der Exkursion. Das Beverner Baudenkmal, eine der wichtigsten technikgeschichtlichen Erinnerungsstätten der Region, verdiene auch in den Nachbar-Landkreisen und darüber hinaus verstärkt Beachtung.

Die Reihe "Expeditionen in die Nachbarschaft" soll nach dem großen Erfolg der Auftaktveranstaltung fortgesetzt werden. Die nächste Veranstaltung zum Thema "Oste - Fluss zwischen den Mooren", ist allerdings bereits komplett ausgebucht. Für Exkursionen zu dem Themen "Fluss der Naturerlebnisse" (25. September) und "Fluss der Museen" (6. November) sind Restkarten erhältlich.

Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.osteland.de. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG

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