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"Ich bin eine Windrose"

So genannter Staubteufel in Riepe beschädigte drei Sonnenliegen

Foto zum Artikel: "Ich bin eine Windrose"
04.05.2005 10:02:14
Riepe. 
(ivr). Windhose, Wirbelsturm oder gar Tornado? In Riepe hoben am Samstagnachmittag, 23. April, gestärkte Abdeckplanen von einem Gewächshaus ab und schwebten über den Wald davon. Wenig später wurden wie von Geisterhand drei Sonnenliegen vom Boden hochgerissen, eine davon in drei Metern Höhe gegen ein Spielhaus geschleudert. Augenzeugin Sylvia Bellmann berichtete der Rundschau von den Ereignissen in ihrem Garten, die sie bis heute beschäftigen.


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Wenn früher Naturgewalten auf die Menschen hereinbrachen, war schnell klar, dass die Götter irgendwas damit zu tun haben mussten. Mittlerweile ist man dank der modernen Wissenschaft über die Ursachen von Wetterphänomenen unterschiedlichster Art bestens informiert.

Doch es müssen nicht immer Wirbelstürme, Vulkanausbrüche und Erdbeben sein, die Mann, Frau und Kind für eine Weile in Angst und Schrecken versetzen: "Ich bin immer noch ganz durcheinander, wenn ich daran denke, was vielleicht alles hätte passieren können", sagt Bellmann. Sie vermutet, dass sie Zeugin einer Windhose wurde, die minutenlang auf ihrem Grundstück wütete.

Dabei war es am besagten Tag sonnig und warm. Hin und wieder zogen ein paar Schönwetterwolken vorbei, es wehte eine leichte Brise. "Aber die war zumindest so schwach, dass die Servietten auf den Tellern liegen blieben, ohne dass wir sie festhalten mussten", betont Bellmann.

Am 23. April feierte die Familie mit sieben anderen Kindern aus der Nachbarschaft den vierten Geburtstag der jüngsten Tochter Nele. Die Kaffeetafel wurde kurzerhand nach draußen verlegt. Bellmann hatte gerade die Kinder zusammengetrommelt und Malkreide verteilt, als plötzlich die Abdeckplanen eines Gewächshauses, das auf dem Nachbargrundstück steht, in die Luft gerissen wurden. "Das klang so, als würde man einen Drachen voll im Wind halten."

Die Nachbarn erzählten später, sie hätten die zwei Mal zwei Meter großen Planen für kleine Mülltüten gehalten. "Das alles fanden wir lustig, aber als sich dann plötzlich unsere Gartenliegen verselbstständigten, war uns gar nicht mehr zum Lachen zumute", sagt Bellmann. Die 29-Jährige erzählt, dass sich die Plastikliegen, auf denen die Kinder kurz zuvor noch gespielt hatten, wie in einem Strudel fünf Meter nach oben gedreht hätten und dann wenig später in verschiedene Richtungen wieder nach unten geschleudert wurden. Eine zerschellte am Dach des nahestehenden Spielhauses. "Mein Mann rief noch: Bring die Kinder rein, das ist eine Windhose. Ich hab nur gedacht: Wenn die sich jetzt dreht, dann passiert vielleicht noch was Schlimmeres." Kurze Zeit später war der Spuk wieder vorbei.

Das Ereignis im Bellmannschen Garten beschäftigte alle Anwesenden: "Die Kinder haben danach immer wieder mit Malkreide Wirbelstürme gezeichnet. Sie haben Blätter hochgeschmissen und gerufen: Ich bin eine Windrose, ich bin eine Windrose", so die Rieperin. Und Ingeburg Schröder, eine Freundin der Bellmanns, fügt hinzu: "Meine Tochter schläft seitdem schlecht."

Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes, meint, es könne sich bei der Windhose um einen so genannten "Staubteufel" gehandelt haben. "Tornados - oder Windhosen, wie sie im Volksmund heißen - werden ausschließlich durch ein Gewitter ausgelöst. Der Staubteufel ist hingegen ein typisches Schönwetterphänomen. Er entsteht durch eine lokale Überhitzung des Bodens. Die Geschwindigkeit in einer solchen Mini-Trombe kann bis zu 100 Stundenkilometer betragen", so Friedrich.

In der Regel seien solche Erscheinungen recht ungefährlich, richten nur selten Schäden an und würden von Radarstationen nicht erfasst, weil sie nicht stark genug und darüber hinaus zu kurzlebig seien. Er rät: Wenn jemand so eine Erscheinung beobachtet, dann sollten alle losen Gegenstände schnell in die Hand genommen und damit ein sicherer, windgeschützter Platz aufgesucht werden. "Die Tromben können plötzlich die Richtung wechseln und hin- und herhüpfen."

Übrigens scheint der Samstag ein richtiger "Staubteufel-Samstag" gewesen zu sein: In Celle, Recklinghausen, Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) und Reutlingen wurden an diesem Tag ebenfalls solche Phänomene gesichtet. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG

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