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Nabu warnt vor Biogas-Praxis
Trend zu Monokulturen und sinnlosen Transporten - Donnerstag Infoabend in Bothel
Landkreis Rotenburg. (rm). Im Nordkreis gibt es kaum noch eine Stilllegungsfläche, auf der kein Mais angebaut wird. Das beklagt Uwe Baumert, Nabu-Chef aus Bremervörde. Hintergrund: Viele Biogasanlagen brauchen viel Futter. Reines Profitstreben habe die ursprüngliche Idee, Gülle zu verstromen, inzwischen pervertiert. Baumert warnt vor den ökologischen Folgen - und vor einem Eigentor: Wenn nicht umgedacht wird, werde diese an sich sehr sinnvolle Art der Energieerzeugung ihre Akzeptanz in der Bevölkerung verlieren.
Laut Baumert gibt es im Landkreis Rotenburg derzeit 40 Anlagen. 15 zusätzliche befänden sich im Genehmigungsverfahren. "Damit liegen wir landesweit an der Spitze." Und weitere Investoren stünden in den Startlöchern.
Mit Biogasanlagen kann aus organischen Stoffen Wärme und Strom erzeugt werden. Eine gute Möglichkeit für Bauern, die bei der intensiven Tierhaltung anfallende Gülle unproblematisch zu entsorgen und sogar noch etwas Geld nebenbei zu verdienen. Auch wer Grasschnitt verarbeitet, handelt nach ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll. Schließlich wird so wertvolles Grünland erhalten.
Allerdings: Viel mehr Energie als Gras und Gülle enthalten Mais sowie Abfälle aus der Lebensmittel- und Kosmetikproduktion. Baumert: "Gülle kommt daher kaum noch zum Einsatz." Denn fast allen Betreibern gehe es nicht um Ökologie, sondern nur noch um Ökonomie.
Baumert sagt, dass Bauern bei der Beantragung entsprechender Anlagen häufig nur vorgeschoben werden. "Lediglich 25 Prozent der Eigentümer kommen aus der Landwirtschaft." Den Löwenanteil stellten ausschließlich an Rendite interessierte Investoren.
Interessant: Wer auf Stilllegungsflächen Mais anbaut, profitiert sogar doppelt. Zum einen wird der daraus gewonnene Bio-Strom gefördert. Und zum anderen gibt’s weiter Prämien für die Flächenstilllegung. Paradox aber möglich, weil der Mais nicht verzehrt und daher völlig korrekt als Non-Food deklariert wird.
Baumerts Fazit: Einst abwechslungsreiche Lebensräume veröden. "Wenn nichts passiert, wird immer mehr Grünland und auch noch die letzte Überschwemmungsfläche in Monokulturen umgewandelt. Und das auch noch mit staatlicher Förderung."
Dieser bedenkliche Prozess könnte sich sogar noch beschleunigen, befürchtet der Umweltschützer. Denn außer der Biogas-Verstromung werde immer mehr auch die Gewinnung von Kraftstoffen aus Pflanzen als Zukunftsmarkt propagiert. Und dafür eigne sich nach derzeitigem Können am besten Raps.
Landwirtschaftsministerin Renate Künast habe das Potenzial für Biogas und Kraftstoffe auf je vier Millionen Hektar Anbaufläche geschätzt, berichtet Baumert. "Das wären dann zwei Drittel der deutschen Äcker." Der Nabu-Mann hält es für dringend geboten, mehr Geld für die Forschung mit anderen Energiepflanzen bereitzustellen. Denn zu Kraftstoff könnten auch Mixturen vergoren werden.
Zurück zu den Biogasanlagen: Mais-Monokulturen sind das eine Problem. Wie aber sieht es mit Abfällen von Schlachthöfen und aus der Lebensmittelproduktion oder Fetten der Kosmetikindustrie aus? "Natürlich ist deren Verstromung sinnvoll", sagt Baumert. Aber möglichst dort, wo diese Abfälle anfallen. "Wenn sie zum Beispiel aus den Niederlanden Hunderte von Kilometern hierher transportiert werden, ist der ökologische Nutzen stark geschmälert."
Baumert hat sich mit dem Thema umfassend in seiner Eigenschaft als Mitglied des Nabu-Landesvorstands befasst. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Bothel stellt er seine Thesen am Donnerstag, 17. März, in der Gaststätte Enders vor. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Alle Interessierten sind willkommen.
Infoabend Biogasanlagen
Gasthaus Enders, Bothel
Donnerstag, 17. März, 20 Uhr © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG












