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Über Leben, Hoffnungen und Ängste

Schauspielerin Angelika Achinger liest Gedichte der Jüdin Selma Meerbaum-Eisinger

23.01.2005 13:00:51
Rotenburg. 
(ww). Selma Meerbaum-Eisinger, geboren 1924 im rumänischen Czernowitz, starb mit 18 Jahren im Konzentrationslager. Sie schrieb Gedichte, vor allem für ihren Freund. Die Schauspielerin Angelika Achinger hat sich der Werke der jüdischen Frau angenommen. Zu sehen und hören ist die szenische Lesung am Sonntag, 30. Januar, ab 17 Uhr im Auditorium des Kantor-Helmke-Hauses in Rotenburg.


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Die Idee, die Schauspielerin in die Wümmestadt einzuladen, ging von der ortsansässigen Amnesty-International-Gruppe aus. "Die müssen wir holen", so der Gedanke von Elisabeth Isermann. Und den trug sie weiter an Brigitte Borchers, Frauenbeauftragte der Stadt Rotenburg. Die hatte ebenfalls bereits von der Lesung gehört und konnte den Kontakt zu Achinger knüpfen. Die Schauspielerin sagte zu, Borchers und die AI-Gruppe treten gemeinsam als Veranstalter auf.

Dass die Lesung am 30. Januar stattfindet, kommt nicht von ungefähr. Denn: "Wir sie zeitlich nah an den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus legen", erklärt Borchers. Und der ist bekanntlich am 27. Januar. Die Veranstaltung soll damit sowohl an alle Opfer des Holocaust als auch an das Einzelschicksal der jungen Frau erinnern.

Selma Meerbaum-Eisinger schrieb zu Lebzeiten Gedichte an ihren Freund Lejser Fichman, Gedichte über ihr Leben, ihre Hoffnungen und Ängste. 57 davon blieben erhalten. Dass diese heute überhaupt noch vorliegen, ist einer Freundin von Meerbaum-Eisinger zu verdanken. Ihr übergab die Dichterin die Werke kurz vor ihrer Deportation. Die Freundin verwahrte sie, brachte sie nach Israel. Dort wurden sie erstmals als Privatdruck publiziert. Die eigentliche Entdeckung Selma Meerbaum-Eisingers erfolgte aufgrund der Veröffentlichung ihrer Gedichte in Deutschland durch den Journalisten und Exil-Forscher Jürgen Serke im Jahre 1980.

Meerbaum-Eisinger fiel der nationalsozialistischen Ideologie zum Opfer. Beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges war sie 15 Jahre alt. Schließlich wurde sie ins SS-Arbeitslager Michailowska gebracht, wo die Jüdin als 18-Jährige an Flecktyphus starb. Auch ihr Freund gelangte nicht mehr in die Freiheit - er starb auf der Flucht nach Palästina.

Angelika Achinger setzt die Gedichte in ihrer Lesung szenisch um. Dazwischen informiert sie die Lebensdaten der Dichterin sowie über bedrohliche Ereignisse der damaligen Zeit. Zur Person: Achinger studierte am Mozarteum in Salzburg sowie an der Schauspielschule Hamburg. Nach Engagements in Hamburg, Hof und Kiel inszeniert sie bereits seit geraumer Zeit eigene Lesungen und Rezitationen.

Die Lesung in Rotenburg dauert rund eine Stunde und 15 Minuten. Dass sich das Kommen lohnt, davon sind die Veranstalter überzeugt. Denn, so Borchers, die Gedichte seien "wirklich Weltliteratur".

Karten gibt es an der Abendkasse. Weitere Infos: Telefon 04261/71222.



Gedichte von Selma,

Meerbaum Eisinger,

szenische Lesung von Angelika Achinger, Sonntag, 30. Januar, 17 Uhr © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG

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