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Ganz tief in der Grauzone?
Auch zweiter Angerburg-Redner hat beste Kontakte ins rechtsextreme Lager
Rotenburg. (rm). Prominentester Referent der gestern und heute stattfindenden Angerburger Arbeitstagung ist Gerd Schultze-Rhonhof. Er trat vorher bei einem konspirativen SS-Kameradentreffen auf. Angerburger-Vorsitzender Hans-Werner Sadowski beschwichtigt Kritik an der Einladung des Ex-Generals damit, dass auch noch andere Vorträge zu hören sind. "Das zeigt die große Bandbreite der Veranstaltung." Allerdings: Auch der zweite Redner verfügt offenbar über beste Kontakte ins rechtsextreme Lager.
Über das Bernsteinzimmer spricht der Gustloff-Überlebende Heinz Schön, Jahrgang 1926. Das Thema mag unverfänglich sein. Aber: Schön veröffentlichte Bücher mit Titeln wie "Hitlers Traumschiffe" und "Heimatland in Feindeshand" im Kieler Arndt-Verlag.
Der Verfassungsschutz stuft den Arndt-Verlag als "bedeutendsten rechtsextremistischen Verlag" in Schleswig-Holstein ein. Einen zweiten Verlag des selbern Eigentümers durfte 1999 der rechtsextreme Anwalt Horst Mahler in einem Verfahren gegen die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften verteidigen.
Schön selbst ist Autor der Deutschen Militärzeitschrift, einem nach Darstellung des Informationsdienstes gegen Rechts in Neonazi-Kreisen gern gelesenen Blatt. Gruppen, die sich gegen Rechtsradikalismus engagieren, berichten, dass er in der NPD-Zeitschrift Weserwarte als "Revisionist aus unserer Heimat" vorgestellt wurde. Dank seiner Veröffentlichungen könnten den "alliierten Lügenerzählern" die Zähne gezeigt werden. Einen Vortrag bei der von Beobachtern als äußerst rechts einstuften Burschenschaft Normannia-Nibelungen Bielefeld sagte Schön kurzfristig ab, weil es vorher zu Demonstrationen dagegen gekommen war.
Und der dritte Referent an diesem Wochenende im Bürgersaal? Über die europäische Verfassung spricht der niedersächsische Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Ex-Richter Dr. Dieter Radau aus Deutsch Evern bei Lüneburg. Nach Auskunft der dort ansässigen Landeszeitung ist er zwar nicht durch klar rechtsextreme Äußerungen aufgefallen, aber "gut bekannt als Vertreter erzkonservativer Ansichten."
Es ergibt sich folgendes Bild: Die von Sadowski ins Feld geführte "große Bandbreite" der Angerburg-Tagung ist hinsichtlich der Referentenauswahl nicht erkennbar. Wissentlich oder nicht befindet sich der Verband anscheinend tief in einer Grauzone zwischen sehr konservativen und bereits rechtsradikalen Positionen. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG












