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Zwei Jahre alt, Aids-Waise
"Mama Erica“ freut sich über Hilfe für ihr Kinderdorf in Tansania - VON STEPHAN JESCHKE
Kinderdorf Managerin "Mama Erica“ Mwakalebela (eine ehemalige Grundschullehrerin) und ihrer Tochter Lilian waren in den vergangenen Tagen bei zu Gast in Vorwerk Judy (rechts) und Johann-Georg Eule (links). Außerdem im Bild: Lions-Club-Präsident Hermann Pape und der Wilstedter Schüler Malte Postels, der mit seiner Familie die Patenschaft für einen Jungen aus dem Kinderdorf übernommen hat Foto: Jeschke
Vorwerk . Für "Mama Erica“ Mwakalebela war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie die Grenzen ihres Heimatlandes Tansanias hinter sich ließ – in Richtung Deutschland, wo sie der im niederrheinischen Geldern ansässige Verein Amani Kinderdorf willkommen hieß. Neben den Eindrücken aus einem ihr bis dato fernen und fremden Land und den Erinnerungen an die vielen zwischenmenschlichen Begegnungen freute sich die in Begleitung ihrer Tochter Lilian angereiste Leiterin des Kinderdorfes über eine namhafte Summe Geld. Die wird dem Verein zur Errichtung eines weiteren Kinderdorfes überwiesen und soll überdies helfen, die Anschaffung eines neuen Treckers zu realisieren.
Überbringer der (schon im Vorfeld angekündigten) guten Nachricht waren die in Vorwerk wohnende Judy Eule (Betriebswirtin und Schatzmeisterin des Vereins) und ihr Mann Johann-Georg Eule sowie Hermann Pape, Präsident des Lions-Clubs Ottersberg- Wümme. Im Vorwerker Dorfgemeinschaftshaus nicht zugegen, aber wie die Lions Unterstützer in Erscheinung getreten war die Zevener Lisega AG, federführend deren Aufsichtsratschef Hans-Herlof Hardtke.
Das im zentraltansanischen Kilolo gelegene Kinderdorf besteht aus sechs Häusern, in denen jeweils zwölf bis 15 vom Sozialamt oder kirchlichen Einrichtungen vermittelte Aids-Waisen ab dem Alter von etwa zwei Jahren untergebracht sind. Zusammen mit einer Hausmutter und einer Helferin bilden sie eine Familie. "Wir können den Kindern nicht ihre Eltern wiedergeben, aber es sind Menschen, die jeden Tag für sie da sind, die ihnen Orientierung und Sicherheit geben“, sagt Judy Eule.
Die Kinder und Jugendlichen besuchen - je nach Alter - vormittags einen Kindergarten, eine Grund- oder eine weiterführende Schule. Sie bleiben so lange im Dorf, bis sie in der Lage sind, ihr Leben - im Idealfall nach einer Ausbildung - ohne Hilfe zu meistern.
Zum Dorf gehören ein Garten und eine kleine Farm. Der Anbau von Gemüse und Obst sowie das Halten von Hühnern sollen die Selbstversorgung sicherstellen. Die außerdem zum Dorf gehörende Schreinerei führt Vorarbeiten für in der Umgebung gelegene Betriebe aus und leistet auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Belebung der wirtschaftlichen Situation.
Kein Wunder, dass die Begeisterung groß war, als Vertreter des Trägervereins dem Rat der Gemeinde Kitwiru den Plan erläuterten, auch in ihrem Ort ein Kinderdorf errichten zu wollen. "Mama Erica“: "Die Mitglieder sind aufgestanden und haben laut geklatscht.“
Gut ein Viertel der etwas mehr als 2.000 Mädchen und Jungen sind Aids-Waisen. Darunter allerdings auch jene, die bei Verwandten oder anderen Familien gut untergebracht sind und keine Hilfe benötigen beziehungsweise nur nach Bedarf (zum Beispiel bei der Anschaffung einer Schuluniform) unterstützt werden müssen.
Der erste Bauabschnitt mit zwei Häusern inklusive Infrastruktur sowie Geräte- und Lagerhaus werden voraussichtlich im Oktober fertiggestellt sein. 2011/2012 soll Teil zwei des Vorhabens mit weiteren zwei Häusern, Kindergarten/Vorschule, Bibliothek, Unterrichtsräumen sowie Gemeinschaftsraum und Dorfgemeinschaftshaus in die Realität umgesetzt werden.
Jedoch: Die Aufnahmekapazität wird auch in dem neuen Kinderdorf begrenzt sein. "Mama Erica“ hat schon fünf Plätze mehr vergeben als ursprünglich vorgesehen. So konnte sie einem 16-Jährigen dessen unter Tränen vorgetragene Bitte nicht abschlagen, wenigstens seinen jüngsten, sechsjährigen Bruder aufzunehmen. Sich selbst und seine übrigen drei Geschwister werde er schon irgendwie durchbringen...
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