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Illusion und Wirklichkeit
Becerius-Kunst-Forum führt Betrachter hinters Licht
Hamburg. (le). Um Illusion und Wirklichkeit geht es in der neuen Ausstellung im Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt. Unter dem Titel "Täuschend echt“ sind 80 Gemälde, Skulpturen und Graphiken versammelt, deren Schöpfer es darauf angelegt haben, den Betrachter hinters Licht zu führen.
Mit Leihgaben aus rund 60 Sammlungen und Museen ist ein Gang durch fast zwei Jahrtausende der Kunstgeschichte entstanden, von 150 nach Christus bis zum Jahre 2009, bei dem überraschende und amüsante Stationen für immer neue Eindrücke sorgen.
Als "trompe l\'oeil“, als Augentäuschung stand die Gattung in den Niederlanden im 17. Jahrhundert in hoher Blüte. "Augenbetrüger“ heißt ausdrücklich ein gemaltes Stillleben von Samuel van Hoogstraten aus dem Jahren 1666/1678. Bemerkenswert ist aber das Interesse, das heute diesem Thema entgegengebracht wird: Neben einer großen Ausstellung 2002 hierzu in Washington gab es im letzten Jahr ebenfalls Ausstellungen in Stockholm und in Florenz. Das liegt wohl an der heutigen digitalen Verfügbarkeit und den Manipulierungsmöglichkeiten der modernen Medien. Daneben ist der Aspekt des Spielerischen nicht zu übersehen: Werke von Jasper Johns und Andy Warhol sind hier zu nennen (und selbstverständlich in der Hamburger Ausstellung zu bewundern).
Eigentlich ist es ja schon immer ein Anliegen der Maler und Bildhauer gewesen, dem Betrachter die Wirklichkeit möglichst nahe zu bringen. Perspektive, Farbgebung und Formgestaltung haben dazu beigetragen. Aber schon im Altertum gab es einen Wettstreit, wer den anderen dabei übertrumpfen könne. Dabei spielten täuschend natürlich gemalte Weintrauben und Vorhänge eine wichtige Rolle. So ist es kein Wunder, dass auch auf Gemälden des 17. Jahrhunderts Weintrauben dem Betrachter entgegenlachen, etwa bei Rubens\' "Satyr und Mädchen mit dem Fruchtkorb“, und Schein-Vorhänge zu entdecken sind.
Vielleicht am verblüffendsten sind neben zwei Arbeiten von Gerhard Richter von 1965 und 1967 zwei trompe l\'oeils von Thomas Demand: "Glas I+II“, 2002. Täuschend echt sind hier zwei zersprungene Glasscheiben auf Papier nachgeahmt – besonders irritierend, weil dann wirkliche (heile) Glasscheiben darüber gelegt sind. Aber schon der "Quodlibet-Tisch“ um 1830, eine Leihgabe aus dem Altonaer Museum, erweckt den Eindruck, als lägen Graphikblätter auf der Tischplatte: so täuschend, dass wohl mancher Besucher nach den Blättern greifen möchte. Und ein "Tisch mit Globus, Büchern und Teppichdecke“ vom Ende des 17. Jahrhunderts narrt den Besucher gleich beim Eintreten: Es ist ein frei stehendes Ölgemälde, auf eine Holzplatte aufgezogen und "mit der Laubsäge ausgesägt“, also nur zweidimensional.
So bieten die Täuschungsobjekte eine amüsante Schule des Sehens. Zugleich wird an die Urteilsfähigkeit und die kritische Aufmerksamkeit des Betrachters appelliert. Daher ist es kein Wunder, dass das Motiv der Ausstellung, ein Gemälde von Pere Borell von 1874 den augenzwinkernden Titel trägt: "Flucht vor der Kritik“. Die Ausstellung ist bis zum 24. Mai täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Ein umfangreiches Beiprogramm wird geboten (www.buceriuskunstforum.de). © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG












