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Auf der Sänfte rausgetragen: Abschied von Bauleiter Sakowski - Von Klaus-Dieter Plage
Ratsfrau Barbara Gräfin von Bothmer und Fintels Gemeindebürgermeister Claus Riebesehl überreichten dem Ruheständler zum Abschied ein Gemälde Foto: Plage
Lauenbrück. Die ersten Tage seines neuen Lebens konnte Dieter Sakowski schon einmal genießen: Mit einer beeindruckenden Verabschiedungsfeier wurde der ehemalige Bauleiter und stellvertretende Gemeindedirektor der Samtgemeinde Fintel in den Ruhestand entlassen. Rund 70 Gäste, darunter Bürgermeister, ehemalige Samtgemeindedirektoren, Mitarbeiter und andere Weggefährten, nahmen an der Veranstaltung im Rathaus teil.
Vor 62 Jahren wurde Protestant Sakowski in einem katholischen Nonnenkloster in der Kölner Altstadt geboren. Nach der Schule folgte eine Ausbildung im mittleren Postdienst, 1968 rief ihn die Bundeswehr. "Ein Sonderzug nur mit Wehrpflichtigen fuhr von Köln los. Auf dem Weg Richtung Hamburg stiegen sie an unterschiedlichen Standorten aus. Für mich endete die Fahrt in Rotenburg“, erinnert er sich. Aus der Wehrdienstzeit wurden zwölf Jahre Bundeswehrdienst. Die ersten sechs davon verbrachte Sakowski in Rotenburg, die restliche Zeit in Köln.
1978 begann der "Kölner Jung“ seine Ausbildung für den gehobenen Dienst bei der Domstadt. Während dieser beruflichen Orientierungsphase heiratete er seine Gaby und im Folgenden wuchs die Familie Sakowski um die Kinder Olaf, Birgit und Arne sowie mit den Jahren um sechs Enkelkinder. Während seiner Bundeswehrzeit hat Sakowski den Landkreis Rotenburg und die nahe Küste kennen und lieben gelernt. "In Niederkassel, zwischen drei chemischen und petrochemischen Werken, wollte ich mit meiner Familie auf die Dauer nicht wohnen bleiben“, sagt Sakowski rückblickend.1982 bewarb er sich daher in der Samtgemeinde Fintel um eine Anstellung als Gemeindeinspektor und wurde prompt angenommen. 1984 wurde er zum Beamten auf Lebenszeit ernannt, ein Jahr später folgte die Ernennung zum Samtgemeindeoberinspektor und 1990 zum Samtgemeindeamtmann. "Dieters Arbeitsschwerpunkt lag vom ersten Tag an im Bereich der Bau- und Ordnungsverwaltung. Das ist die klassische Eingriffsverwaltung, die auch für den Bürger unangenehme Dinge durchsetzt“ bemerkte Samtgemeindebürgermeister Michael Nienstädt während der Verabschiedungsfeier und fügte hinzu: "Für diese Art der Verwaltungsarbeit sind nicht alle Mitarbeiter geeignet. Dieter ist es“.
Sehr frühzeitig setzte sich die Samtgemeinde für den Umweltschutz ein und plante für mehr als 30 Millionen Euro ein Schmutz- und Regenwasserkanalsystem. Es gab Widerstände und viele Kämpfe mussten die ehemaligen Samtgemeindedirektoren Hans Engel und Friedel Dreyer gemeinsam mit Sakowski austragen.
"Eine harte Zeit war auch der Kanalbau in Helvesiek“, denkt Sakowski zurück. Mehr als 100 Klagen wurden eingereicht und es ging hoch bis zum Verfassungsgericht. Keinen einzigen Prozess hat die Samtgemeinde verloren. "Ich wurde aufs übelste beschimpft und erhielt sogar Morddrohungen. Heute spricht keiner mehr über Kanal“, sagt Sakowski. Positiv in Erinnerung ist ihm der Abschluss der Kanalbauarbeiten in Stemmen geblieben. Im Spaß meinte er damals: "Zur Abnahme möchte ich mit einer Sänfte durch den Ort getragen werden“. Diesen Wunsch setzte die Baufirma prompt in die Tat – die Mitarbeiter trugen Sakowski per Sänfte zu den einzelnen Abnahmestellen.
Während der Verabschiedungsfeier durfte Sakowski nun ein zweites Mal auf der Sänfte Platz nehmen. Vier Mitarbeiter der Samtgemeinde trugen ihn durch den Ratssaal und anschließend aus dem Rathaus hinaus ins Freie. Das war nicht nur für den frisch gebackenen Ruheständler ein bewegender Moment: Alle Gäste erhoben sich von den Plätzen.
In seine 27-jährige Dienstzeit fallen noch weitere Großprojekte: Der Neubau der Fintauschule (ein 10-Millionen-Projekt), der Umbau der Kläranlage, der Rathausumbau und zuletzt die energetischen Sanierungen der Schulen in der Samtgemeinde. "Die letzte große Maßnahme während deiner Dienstzeit ist der wichtige Hochwasserschutzdamm in Lauenbrück. Er steht kurz vor dem Abschluss“, berichtete Samtgemeinderatsvorsitzender Claus Riebesehl und fügte lobend hinzu: "Du warst daran beteiligt, den Mitgliedsgemeinden ein Gesicht zu geben, das den neuzeitlichen Anforderungen entspricht“.
Nach Ansicht von Riebesehl hat sich Sakowski, den Respekt und die Hochachtung aller Bürgermeister der Samtgemeinde hart erarbeitet: "Hohes fachliches Können, eine außerordentliche Dienstauffassung, Hilfsbereitschaft und ein angenehmes und humorvolles menschliches Wesen zeichnen ihn aus“. Ebenfalls lobende Worte fand SPD-Fraktionschef Rüdiger Bruns: "Wir konnten uns aus ihren Vorlagen für die Räte immer ein klares Bild zum Beschlussvorschlag machen“. Bruns erinnerte auch an die Tätigkeit von Sakowski als Schäfer: "Ihre liebevolle Schafhaltung auf der Kläranlage hat den Rasenmäher ersetzt.“
Dieter Sakowski bedankte sich für die freundlichen Worte und die vielen Geschenke, die er erhielt. "Ich hoffe, ich habe eine vernünftige Arbeit abgeliefert, sonst war ich fehl am Platz“, meinte der Ruheständler. Abgerundet wurde die gelungene Verabschiedungsfeier durch einen Sketch der Theatergruppe "Rollentausch“ und des Shantychors Waffensen. © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG
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