Gebiet Am Weden: Horn rügt Kampagne / Rat beschließt Satzung - Von Andreas Schultz

„Keine Angst verbreiten“

09.09.2015
Bötersen Z7 ist rund 700 Meter vom geplanten Baugebiet entfernt. Für die Träger öffentlicher Belange ist das kein Problem, für die BI Gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg schon.
Bötersen Z7 ist rund 700 Meter vom geplanten Baugebiet entfernt. Für die Träger öffentlicher Belange ist das kein Problem, für die BI Gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg schon.
 ©Archiv

Hassendorf. Der Planer erteilt Absolution, der Sprecher einer Initiative distanziert sich vom Vorgehen einer anderen, der Bürgermeister wünscht sich Erwähnung in der Berichterstattung, wenn ein Ratsmitglied die Diskussion verlässt: Im Rat der Gemeinde Hassendorf war das Baugebiet „Am Weden“ Thema – und über allem schwebte die Stellungnahme der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg“.

Zur Erinnerung: BI-Sprecher Jochen Richert hatte im Verfahren um das Baugebiet den Rat der Gemeinde Hassendorf massiv kritisiert (die Rundschau berichtete). Er erklärte, die Initiative halte den Standort mit Nähe zu den Bohrstellen Sottrum Z1, Bötersen Z11 und Bötersen Z7 für falsch. Zudem fragte er, ob sich in Hassendorf mafiöse Strukturen etabliert hätten. Schließlich stimmten aus seiner Sicht ein Bauunternehmer und ein Verwandter eines Grundstücksbesitzers im Gremium für das Baugebiet. Bürgermeister Klaus Dreyer (SPD) erklärte, Bauunternehmer Marc Terborg (Grüne) könne problemlos votieren und Hinrich Buthmann (CDU) habe sich stets aus der Beratung zurückgezogen.

Nun war es an Planer Udo Lohreit, etwas zu den Eingaben zu sagen, die die Träger öffentlicher Belange und Privatpersonen gemacht hatten. Doch ehe der Mitarbeiter des Büros Instara zu Wort kam, verließ Buthmann wieder den Beratungstisch. „Bitte erwähnen Sie das in der Berichterstattung. Wir hatten ja diesbezüglich schon genug Scherereien“, so der Bürgermeister. „Der Eingang der Stellungnahmen ist überschaubar“, formulierte Lohreit. Tatsächlich nahm der Rat nur eine Änderung in Bezug auf die externe Ausgleichsfläche vor. Die Stellungnahme Richerts war im Vortrag des Planers ein Thema für sich. Die Nähe zu den Versenkbohrstellen, die die Bürgerinitiative dort ansprach, und die Möglichkeit beeinträchtigender Emissionen nahm er zur Kenntnis. „Er führt auch mögliche ‚erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen‘ an, begründet die aber nicht weiter. Bisher sind uns keine Beeinträchtigungen bekannt und die Fachbehörden haben bei der Ausweisung des Gebiets auch keine Bedenken“, so Lohreit. Genau wie zuvor Dreyer erklärte der Planer, dass Angelegenheiten um das Baugebiet im Gremium immer formal korrekt beraten worden seien. „Da sind noch weitere Hinweise, die aber jeder Sachlichkeit entbehren. Auf die können wir auch nicht sachlich eingehen“, sagte der Planer. „Wir müssen die Menschen schützen, die hierher ziehen“, so Hartmut Horn. Der Sprecher einer anderen Initiative mit dem Namen „Frack-loses Gasbohren“, stellte klar, dass auch er Sorgen im Bezug auf das Baugebiet „Am Weden“ hat. Doch das rechtfertige nicht eine „Kampagne“, wie sie die BI Gegen Gasbohren im Landkreis Rotenburg gegen den Rat gefahren habe. Horn machte deutlich: Seine Initiative distanziert sich vom Vorgehen Richerts. „Natürlich müssen wir auf mögliche Gefahren hinweisen, aber wir dürfen dabei keine Angst verbreiten“. Der Sprecher erklärte: „Es gibt in der Region eine erhöhte Krebsrate, ein Zusammenhang mit der Gasförderung ist bisher nicht bestätigt.“ In diesem Zusammenhang forderte er die Gemeinde auf, sich für dauerhafte Messungen an Bohrstellen stark zu machen, auch in der Luft. Für den Einbau von Filteranlagen und für ein Moratorium solle sich Hassendorf ebenso einsetzen. Klaus Dreyer stellte klar: „Kein Käufer eines Baugrundstücks wird bei uns getäuscht.“ Jeder Kaufvertrag solle eine Erklärung über die in der Nähe befindlichen Bohrstellen beinhalten, nicht zuletzt auch, um Regressforderungen vorzubeugen. „Die Sorgen der BI Gegen Gasbohren in Sachen Fracking sind berechtigt. Aber wir können nicht die Entwicklung Hassendorfs abbrechen“, stellte der Bürgermeister fest. Dem gaben die Ratsmitglieder Recht: Einstimmig fassten sie den Satzungsbeschluss. Dabei übrigens nicht beteiligt: Hinrich Buthmann.

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