Stadt Rotenburg stellt ab 2019 jährlich 100.000 Euro bereit - Von Dennis Bartz

Nächster Halt: HVV

04.02.2017
Pendler, die mit dem Zug nach Hamburg fahren, können aufatmen: Sie sollen künftig beim Kauf von Zeitkarten bis zu 600 Euro im Jahr sparen. Foto: Dennis Bartz
Pendler, die mit dem Zug nach Hamburg fahren, können aufatmen: Sie sollen künftig beim Kauf von Zeitkarten bis zu 600 Euro im Jahr sparen. Foto: Dennis Bartz
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Rotenburg. Die Weichen sind gestellt: Der Rat der Stadt Rotenburg hat während seiner Sitzung am Donnerstagabend für den Beitritt zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV) gestimmt. Die Kreisstadt wird im Rahmen der HVV-Erweiterung für eine reine Zeitkartenlösung (Modell 3) die vom Landkreis Rotenburg geforderten 100.000 Euro als jährliche Kostenbeteiligung ab dem Haushaltsjahr 2019 bereitstellen.

Das ist eine überraschende Entwicklung: Noch am Vormittag hatte sich Bürgermeister Andreas Weber nämlich dafür ausgesprochen, nicht mehr als 50.000 Euro zu bezahlen: „Das wäre fairer.“ Schließlich kämen mehr als 50 Prozent der Pendler, die am Rotenburger Bahnhof ein- und aussteigen, von außerhalb. „Unser Bahnhof hat für sie den Vorteil, dass er barrierefrei ist und der Zug halbstündig fährt. Es ist nicht gerecht, wenn für sie der Rotenburger Steuerzahler aufkommen muss.“

Bei der vorangegangenen Ratssitzung im Dezember war Weber mit seinem 50.000-Euro-Antrag noch gescheitert. Trotzdem zeigte er sich zunächst optimistisch, „nach vielen guten Gesprächen im Vorfeld“ dieses Mal eine Mehrheit dafür zu erhalten.

Am Abend die Kehrtwende: Weber erklärte, warum er die Summe kurzfristig auf 100.000 Euro aufgestockt hat: „Uns wurde vorgeworfen, uns unsolidarisch gegenüber anderen Gemeinden zu verhalten. Diesen Eindruck wollen wir nicht vermitteln.“ Landrat Hermann Luttmann habe außerdem ausdrücklich gesagt, dass er die HVV-Zugehörigkeit hinter Scheeßel kappt, wenn sich die Stadt Rotenburg nicht mit 100.000 Euro beteiligen will. „Dies sehe ich als unfreundlichen Akt“, kritisierte Weber. Er meint: „Der Landrat hätte mit 50.000 Euro ebenso mit dem HVV verhandeln können. Gleichwohl möchte ich den Anschluss für alle vier Bahnhöfe nicht gefährden.“

Eike Holsten (CDU) sprach sich ebenfalls für den Beitritt aus: „Es darf keinen HVV-Flickenteppich in unserem Landkreis geben.“ Er glaubt, dass die Stadt Rotenburg dauerhaft geringere Kosten haben wird und erinnerte an die positive Erfahrung im VBN: „Mit einem Anteil von 100.000 Euro treten wir dem HVV bei – absehbar zahlen wir weniger, wenn das Land stärker seiner Verpflichtung nachkommt.“ Der Beitritt mache sich „doppelt und dreifach“ bezahlt: „Für unsere Pendler, unsere Umwelt und unsere Einwohnerzahl.“ Jährlich seien rund 100 bis zu mehr als 600 Euro Kostenersparnis für jeden Pendler zu erwarten, rechnete Holsten vor.

Weber verbindet die grundsätzliche Bereitschaft, 100.000 Euro zu zahlen, jedoch mit einem Zusatz. Am Freitagmorgen schrieb er an den Landrat: „Um eine größere Transparenz und gerechtere Kostenbeteiligung des Landkreises im Vergleich zu den Bahnhofs-Kommunen zu erreichen, bitten wir darum, dass festgestellt wird, wieviele Ein- und Ausstiege jeweils von Einheimischen oder Auswärtigen der jeweiligen Kommunen an den Bahnhöfen Sottrum, Rotenburg, Scheeßel und Lauenbrück geschehen.“ Weber fordert Luttmann außerdem dazu auf, in den Verhandlungen mit der Hansestadt darauf zu drängen, dass Hamburg einen großen Anteil der Kosten mitträgt, „damit die hohe Kostenbeteiligung der Kommunen gesenkt werden kann“. Luttmann bedankte sich kurz darauf per E-Mail für die „positiven Nachrichten“ und verspricht in seiner Antwort an Weber: „Sie können sicher sein, dass ich die Interessen unserer Bürger in den Gesprächen mit der Niedersächsischen Landesregierung, der Stadt Hamburg und den Vertretern des HVV mit Nachdruck vertreten werde.“

Weber selbst war 30 Jahre als Pendler mit dem Zug nach Bremen gefahren: „Ich habe dabei die Vorteile des VBN genossen.“ Er betont: „Das Modell 3 für Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreskarten ist ein Einstieg in den HVV. Pendler können in Hamburg mit Bus und Bahn weiterfahren, ohne ein weiteres Ticket lösen zu müssen.“

Elisabeth Dembowski von den Grünen erklärte, dass jedoch dringend in die Infrastruktur am Bahnhof investiert werden müsse: „Wir brauchen mehr Parkplätze für Autos und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.“

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