EKN-Bericht: Nicht nur in Bothel gibt es zu viele Neuerkrankungen - Von Andreas Schultz und Dennis Bartz

Rotenburg: Krebsrate erhöht

Landrat Hermann Luttmann studiert mit besorgtem Gesicht den aktuellen Bericht.
 ©Dennis Bartz

Landkreis Rotenburg. Seitdem bekannt geworden war, dass in der Samtgemeinde Bothel auffällig viele Männer an Krebs erkranken, ist auch in den Nachbargemeinden die Sorge groß. Der zweite Bericht des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) bestätigt nun die Befürchtungen vieler Menschen: Betroffen ist nicht nur Bothel. Auch in der Stadt Rotenburg und in der Samtgemeinde Sottrum ist die Krebsrate statistisch zu hoch.

Zwischen 2003 und 2012 sind in Rotenburg 72 neue Krebsfälle bekannt geworden – normal wären aber nur 55, macht also ein Plus von etwa 31 Prozent. „Das Ergebnis ist außerordentlich besorgniserregend“, sagte der Leiter des Rotenburger Gesundheitsamtes Dr. Frank Stümpel bei der Pressekonferenz am Montag im Kreishaus.

Der EKN-Bericht stütze sich auf Untersuchungen in den sieben Nachbargemeinden der Samtgemeinde Bothel und zeige: „Bothel ist der Herd – Probleme gibt es aber nicht nur hier“, so Stümpel. Wie mehrfach berichtet, erkranken in Bothel fast doppelt so viele Männer an Krebs wie statistisch zu erwarten wären – die Zahl der Neuerkrankungen (41) ist um 92 Prozent zu hoch.

Daran reichen die anderen untersuchten Gemeinden nicht heran. Rotenburg bildet mit 31 Prozent den zweithöchsten Wert, Sottrum den dritthöchsten mit rund 24 Prozent. „Ich setze mich dafür ein, dass wir umgehend Ursachenforschung betreiben“, so Landrat Hermann Luttmann.

Auch in den Gebieten Kirchlinteln, Scheeßel und Visselhövede gibt es minimale Erhöhungen von maximal zehn Prozent. Dr. Stümpel beruhigt: „Dies liegt in einem Bereich, der statistisch nicht relevant ist.“

Bürgermeister Andreas Weber erreichten die besorgniserregenden Nachrichten im Urlaub: „Das Ergebnis der Untersuchung war zu befürchten. Jetzt muss so schnell wie möglich der Grund untersucht und festgestellt werden.“ Aufkommende Spekulationen, dass Fracking Ursache sein könnte, versucht Weber im Keim zu ersticken: „Das ist unangebracht.“

Auch Sottrums Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag will sich nicht an Spekulationen beteiligen. Das Thema nehme er sehr ernst: „Hinter den Zahlen stecken Menschen“, erinnert Freytag. Inhaltlich könne er die Ergebnisse noch nicht bewerten. Denn die 24 Prozent Erhöhung gegenüber dem erwarteten Wert beziehen sich auf die komplette Samtgemeinde Sottrum. Ob die Mehrerkrankungen gleichmäßig verteilt oder in einer Gemeinde konzentriert auftreten, sei bisher noch nicht klar: „Wir werden uns noch einmal Gesundheitsamt zusammensetzen“, so Freytag.

Für Kathrin Otte, stellvertretende Vorsitzende des Gemeinnützigen Netzwerkes für Umweltkranke (Genuk) in Amelinghausen, rückt bei der Frage nach Ursache das Thema „Fracking“ immer mehr in den Fokus. Sie fordert Konsequenzen, und zwar „ein nachhaltiges Verbot von Fracking in Deutschland“. In New York sei dies nach umfrangreichen Untersuchungen längst passiert.

Eine schnelle Antwort wird es auf die Frage nach der Ursache aber nicht geben – und deswegen auch keine Konsequenzen. Bis mindestens Spätherbst dauert es noch, ehe die Befragung von 5.000 Bewohnern der Samtgemeinde Bothel ausgewertet sind. „Es sind persönliche Befragungen nötig. Wir müssen sehr weit zurückgehen. Es ist eine Sisyphus-Arbeit“, erklärt Stümpel. Dieselbe Umfrage auch in Rotenburg zu starten, sei im Moment nicht geplant. Grund: Der Aufwand wäre zu groß.

Die Verantwortlichen wollen zunächst abwarten, was die weitergehenden Untersuchungen in Bothel ergeben. Dort sei genauso wie in Rotenburg die Diagnose „Multiples Myelom“ bei Männern im Alter zwischen 60 und 74 auffällig erhöht. Eine Aufklärung in Bothel soll deshalb auch in Rotenburg für Klarheit sorgen.

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